Wie nähert man sich der Thematik »Staat und Ordnung« als Ausgeschlossener, als Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes?

Wie es guter Brauch ist, eröffnete IfS-Leiter Dr. Erik Lehnert die Akademie; diesmal jedoch mit einer breiten Erläuterung des eigens für die Veranstaltung erstellten Hygienekonzepts. Corona ging, wie bereits angedeutet, auch nicht an unserem Vortragswochenende spurlos vorüber.

Die Maske war omnipräsent. Abgesehen vom eigenen festgelegten Platz an separierten Tischen mußte das Stück Stoff überall im Gasthaus »Zum Schäfchen« getragen werden. Um dieser speziellen Situation dann doch noch den eigenen Stempel aufzudrücken, hatten wir eigene IfS-Masken anfertigen lassen, auf denen ein Friedrich Nietzsche-Zitat prangte: »Alles, was tief ist, liebt die Maske«.

Auf diese Art und Weise sollte die Akademie auch noch nach dem zurückliegenden Wochenende über ganz Deutschland verteilt in den Einkaufshäusern präsent sein; zumindest, wenn die Teilnehmer die Maske auch weiterhin tragen. Aber logischerweise sollte Lehnert sich nicht nur zu den eigenwilligen Auflagen äußern.

In einem kurzen Abriß gab er der Akademie ihren inhaltlichen Rahmen und startete mit der Grundproblematik: Wie nähert man sich der Thematik »Staat und Ordnung« als Ausgeschlossener, als Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes?

In diesem Zusammenhang sah Lehnert unsere Aufgabe darin, die Restbestände an existenter Ordnung zu bewahren und ihre vollkommene Zerstörung aufzuhalten. Dabei beurteilte er die Lage wie folgt: Derzeit erlebten wir eine Gleichschaltung auf allen Ebenen. Der Staat, dessen eigentliche Hauptaufgabe in der Gewährleistung der inneren als auch äußeren Sicherheit liege, werde ausgehöhlt und stünde in einem Spannungsverhältnis zur aktuellen Ordnung, die er als eine »gleichgeschaltete Unordnung« kategorisiert.

Sein Blick in die Zukunft fiel vergleichsweise pessimistisch aus, denn er sieht eher eine Verstetigung der neuen Ordnung durch die alten Kräfte aufziehen als ihre Ablösung. Also wie angesichts dieser Entwicklung verhalten?

Der nächste Vortrag gab darauf eine urkonservative Antwort: Sachlichkeit sei das Mittel der Wahl. Ein Moralisierungssog kennzeichne den modernen Staat, der durch eine allgemeine Verunklarung der Dinge, der Willkür Tür und Tor öffne. Daher wisse der Bürger nicht mehr, was moralisch noch erlaubt sei und was nicht. Die um sich greifende Moralisierung sei wiederum nichts anderes als eine Invisibilisierung, insofern als drängende gesellschaftliche Probleme im Diskurs dadurch nicht klar benannt werden können.

Der hier inkognito verbleibende Vortragende sah es aufgrund dessen als Pflicht an, daß je mehr an der Moralisierungsschraube gedreht werde, desto mehr müsse auf Sachlichkeit bestanden werden. Sachlichkeit bedeutete für Ihn der Verzicht auf Diffamierung und eine Orientierung an der Wahrheit der Dinge.

Um diese Sachlichkeit zu etablieren, habe man die Aufgabe zur Selbstverpflichtung und Herstellung eigener Klugheit. Außerdem müsse man die anthropologischen Grundkonstanten zurück in den Fokus rücken. Durchaus ein richtiger Appell, aber bleibt man so nicht dennoch machtlos vor dem Ungetüm alles durchdringender Propaganda, die durch die voranschreitende Digitalisierung katalysiert wird? Die Frage mußte offenbleiben.

Zum Abschluß des ersten Tages ergriff noch einmal IfS-Leiter Dr. Erik Lehnert das Wort und referierte über das Phänomen okzidentaler Rationalität anhand der Theorien des deutschen Ausnahmesoziologen Max Weber. Weber hatte in seinem Klassiker Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus (hier bestellen) herausgearbeitet, wie die Herausbildung des Kapitalismus durch einen protestantischen Arbeitsethos begünstigt wurde.

Indem »Arbeit« zum entbehrungsfordernden Mittel zum Weg zu Gott und die »Ora et labora«-Askese der Mönche zum bestimmenden Aspekt der Gottgefälligkeit erhoben wird, bereitet der Protestantismus, im speziellen der Calvinismus, dem Kapitalismus einen perfekten Nährboden.

Aus diesem Prozeß entsteht dann wiederum nach Weber der rationale Staat, da nur diese Organisationsform dazu in der Lage sei, dem Kapitalismus die Sicherheit des Fortdauerns zu geben. Dieser zeichnet sich ferner durch einen ausufernden Hang zur Bürokratisierung aus.

Demzufolge entzaubert der rationale Staat die Welt und bringt somit etliche Phänomene hervor, denen die Rechte den Kampf angesagt hat. Folgt man stringent Lehnerts Vortrag, stehen wir also in einem Spannungsverhältnis aus Zuspruch zur These der Notwendigkeit des Staates einerseits und der Ablehnung seiner systemischen Auswüchse andererseits.

Sez Sezession

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