Das Dramadreieck

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Das Dramadreieck beschreibt ein grundlegendes, in vielen Märchen und Heldensagen lange tradiertes Beziehungsmuster[wp] zwischen mindestens zwei Personen, die darin die drei Rollen[wp] des Opfers, des Täters (auch: Verfolger) und des Helfers (auch: Retter) einnehmen. Im Modell des Dramadreiecks wird beschrieben, wie diese Rollen zusammen­hängen und wie sie oft reihum gewechselt werden.

WikiMANNia ist die einzige Webpräsenz, die in Deutschland vom Frauenministerium als „jugendgefährdend“ indiziert wurde.
Rolle des Staates in der Familie
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Feminismus basiert auf der VerschwörungstheorieMänner auf der gesamten Welt hätten sich kollektiv gegen die Weiber verschworen, um sie zu unter­drücken, zu schlagen, zu ver­gewaltigen und auszubeuten. Feministinnen bekämpfen Ehe und Familie, weil die bürgerliche Familie das Feindbild ist. Frauen werden kollektiv als Opfer inszeniert und Männer als Täter denunziert. So manifestiert sich ein Ressentiment gegen alles Männliche bis hin zum offenen Männerhass. Dies bewirkt eine tief­greifende Spaltung der Gesellschaft, die es zu überwinden gilt.

Satire oder die pure Wirklichkeit?

„Neue Strukturen müssen wir entwickeln“

Erstellt am April 25, 2021 von tapferimnirgendwo

Am 4. November 1989, ein paar Tage vor dem Fall der Mauer, hielt Jan Josef Liefers eine Rede in Ost-Berlin. Kritiker wie er wurden damals von dem DDR-Regime als Klassenfeinde diffamiert, deren Aussagen angeblich von Faschisten und Nazis gefeiert würden. In den Augen des Regimes gab es nur die guten Sozialisten auf der einen Seite, die durch die Regierung friedlich vertreten sein sollten und die abtrünnigen, verantwortungslosen und unmoralischen Nörgler und Hetzer auf der anderen Seite. Ihnen wurde, besonders von Seiten der Staatsmedien vorgeworfen, mit ihren Meinungen Hass zu schüren und dem Faschismus und der rechtsradikalen Gesinnung das Wort zu reden.

Tapfer im Nirgendwo hat im April 2021 die Rede von Jan Josef Liefers abgetippt, denn über dreißig Jahre später steht er aufgrund einer Satire wieder in der Kritik, rechten Staatsfeinden das Wort zu reden. Menschen, die ihm aufgrund seiner Kunst Applaus spenden, werden ebenfalls in eine rechtsradikale Ecke gestellt, unter anderem von öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.

Jan Josef Liefers ist über all diese Diffamierungen erhaben. Die Satire ist nur eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus.

2021 ist nicht 1989. Die BRD ist nicht die DDR. Heute gibt es das Internet. Wir alle können uns frei selbst informieren. Wir sind von keinem Framing mehr abhängig. Wir können alle Rahmen sprengen und die Bilder aus mehreren Perspektiven betrachten.

Daher hier nun die Rede von Jan Josef Liefers aus dem Jahr 1989. Es ist beängstigend, wie sehr die damalige Rede eine Antwort auf die heutige Situation im Jahr 2021 sein kann.

„Mein Name ist Liefers. Ich bin Schauspieler. Ich möchte drei Überlegungen mitteilen.

In den letzten Wochen haben hunderttausende Menschen auf den Straßen unseres Landes das Gespräch eingefordert. Wir alle führen es seit kurzer Zeit. Natürlich hat jeder das Recht, Partner in diesem Gespräch zu sein. Aber ich meine, wir sollten darauf achten und uns verwahren, gegen mögliche Versuche von Partei und Staatsfunktionären, jetzt oder zukünftig, Demonstrationen und Proteste von Menschen unseres Landes für ihre Selbstdarstellung zu benutzen, Initiatoren und Führer des begonnen gesellschaftlichen und politischen Reformprozesses zu sein.

Der zweite Gedanke: Zur ganzen Frage der führenden Rolle überhaupt, meine ich schon, dass sie zur Disposition gestellt werden muss. Zur Demokratie gehört für mich, dass keine gesellschaftliche Kraft allein diese Rolle okkupieren, noch sich um sie bewerben, sondern sie bestenfalls erringen kann und zwar in täglicher Arbeit, demokratisch und eindeutig durchschaubar organisierter Arbeit und entsprechenden Resultaten.

Solange die Spitze der SED nur auf unser aller Druck reagiert, kann meiner Meinung nach von führender Rolle nicht die Rede sein.

Außerdem haben, denke ich, allein die in diesem Land verbliebenen und verbleibenden Menschen darüber zu entscheiden, wen sie mit der Führung beauftragen.

Und der dritte Gedanke. Es ist richtig, jeden Menschen zu ermutigen, die durch die Politik von Partei und Regierung entstandene Krise in unserem Land durchzustehen. Ich glaube allerdings nicht, dass in vierzig Jahren DDR-Geschichte nur einzelne Personen immer wieder in Krisen führten, sondern auch die von ihnen geschaffenen und zementierten Strukturen.

Die vorhandenen Strukturen, die immer wieder übernommenen prinzipiellen Strukturen lassen Erneuerungen nicht zu. Deshalb müssen sie zerstört werden. Neue Strukturen müssen wir entwickeln für einen demokratischen Sozialismus. Und das heißt für mich unter anderem, Aufteilung der Macht zwischen der Mehrheit und den Minderheiten.

Danke schön.“

Team Freiheit lädt ein!

Erstellt am April 25, 2021 von tapferimnirgendwo

Am Donnerstag, 29. April 2021 um 19:30h diskutieren Alexandra Herzog und Gerd Buurmann mit Euch über die Freiheit.

In einer Zeit, in der Team Freiheit und Team Sicherheit stark gegeneinander konkurrieren und beide Seiten nachvollziehbare Argumente haben, aber Team Sicherheit gerade mehr staatliche Unterstützung bekommt, ist ein Reflektieren und Debattieren über die Freiheit unbedingt notwendig.

Schaltet Euch dazu und diskutiert mit uns.

Lasst uns mit und um die Freiheit streiten, am 29. April um 19:30 Uhr. Hier der Zugangslink:

https://us02web.zoom.us/j/82331617534?pwd=a3ZzN09wd0xGM2FyUlJMUExERFFCQT09

Meeting-ID: 823 3161 7534
Kenncode: 822732

Alexandra Herzog stammt aus Berlin, ist Betriebswirtin und hat einen Master in Politikwissenschaft. Sie hat viele Jahre in Unternehmen unterschiedlicher Branchen in Berlin, Stuttgart, Köln und Amsterdam gearbeitet. Heute arbeitet sie selbständig. Zivilgesellschaftlich ist sie schon einige Jahre in verschiedenen Funktionen aktiv. Sie hat z. B. den Kölner Verein Die Pluralisten e.V. gegründet, der sich für Demokratie, eine offene Gesellschaft und das bessere Zusammenleben der Verschiedenen in der Gesellschaft einsetzt. Alexandra Herzog ist auch in der FDP Köln aktiv.

Gerd Buurmann spielt, schreibt und inszeniert in diversen freien Theatern. Im Jahr 2007 erfand er die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasst er Theaterstücke („Gehirne am Strand“), eigene Soloprogramme („Totalausfall“), sowie Glossen und Artikel für seinen Blog „Tapfer im Nirgendwo“. Mit seinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von ihm entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ ist er alljährlich unterwegs. Sein Lebensmotto hat er von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!“

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Der heiße Brei #7 – #allesdichtmachen

Erstellt am April 25, 2021 von tapferimnirgendwo


Gerd Buurmann und Bernd Gast im Gespräch mit sich selbst.

Wenn Sie das „Der heiße Brei“ unterstützen möchten, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Kontooder nutzen Sie PayPal. Schreiben Sie als Verwendungszweck bitte „Der heiße Brei“.

https://www.paypal.me/gerdbuurmannVeröffentlicht unter TiN TV | 2 Kommentare

Dreht den Spieß um!

Erstellt am April 25, 2021 von tapferimnirgendwo

„Rechte Netzwerke, Coronaleugner und die AfD feiern die Schauspieler. Andere, wie der Medienkritiker Stefan Niggemeier empören sich über, Zitat, ekelige Ironie.“

Mit diesen Worten haben Susanne Wieseler und Martin von Mauschwitz für die Sendung WDR Aktuelle Stunde einen Bericht über die Aktion #AllesDichtMachen angekündigt.

Dies ist ein typisches und zudem ekeliges Beispiel für ein unanständiges, diffamierendes Framing von Seiten öffentlich-rechtlicher Redaktionen. Tapfer im Nirgendwo ruft daher dazu auf, den Spieß umdrehen. Schlagen wir diese Journalistinnen und Journalisten mit ihren eigenen Waffen. Folgendes habe ich dazu zu sagen:

„Sehr geehrte Frau Wieseler, sehr geehrter Herr von Mauschwitz, sehr gehrte Damen und Herren der Sendung WDR Aktuelle Stunde,

Sie behaupten, mit den Videos im Rahmen von #AllesDichtMachen würden die Narrative von Coronaleugnern und rechtsextremer Lügenpresse-Schreihälse bedient. Ich möchte Ihnen mal etwas ganz klar sagen:

Ich lasse nicht zu, dass Menschen, die sich wie Sie von Neonazis, Rechtsradikalen, Rassisten, Antisemiten, Faschisten, Holocaustleugnern und anderen Hetzern finanzieren lassen, andere Menschen so diffamieren!“

Diese Aussage entspricht voll uns ganz der Tatsache. Der WDR lässt sich von diesen Menschen finanzieren. Der WDR wird durch den Rundfunkbeitrag finanziert und den entrichten eben auch einige Neonazis, Rechtsradikale, Rassisten, Antisemiten, Faschisten und Holocaustleugner.

Allerdings haben wir es hier mit einem unanständigen Framing zu tun. Der WDR nimmt das Geld dieser Demokratie- und Menschenfeinde, weil er einfach das Geld von allen Leuten nimmt. Somit ist dieses Framing völlig daneben.

Mindestens genauso daneben ist jedoch die Art, wie in der Moderation von der Sendung WDR Aktuelle Stunde Künstlerinnen und Künstler diffamiert werden. Die Menschen, die an der Satire-Aktion beteiligt sind, haben ihr Leben lang durch ihre Taten bewiesen, dass sie anständige Menschen sind, für die Freiheit, Gerechtigkeit und Aufklärung keine leeren Begriffe sind. #AllesDichtMachen ist nur eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus.

Das Framing des WDR ist daher eine einzige Unverschämtheit.

Daher rufe ich alle Leserinnen und Leser auf, überall, wo Ihr seht, dass Journalistinnen und Journalisten öffentlich-rechtlicher Anstalten dieses unsägliche Framing benutzen, egal in welchem Zusammenhang, sprengt deren Rahmen der selbstgefälligen Diffamierung abweichender Meinungen und flutet die Kommentarspalten dieser Magazine bei allen Plattformen von Facebook bis Twitter mit dieser klaren Ansage:

„Ich lasse nicht zu, dass Menschen, die sich wie Sie von Neonazis, Rechtsradikalen, Rassisten, Antisemiten, Faschisten, Holocaustleugnern und anderen Hetzern finanzieren lassen, andere Menschen so diffamieren!“

Ob in der Tagesschau, der heute Show oder einem anderen öffentlich-rechtlich finanzierten Magazin, dreht den Spieß um!

Europa fehlt das Kreuz

Den europäischen Staaten stellt sich die Sinn- und Systemfrage. Die bisherigen Antworten waren Nationalismus oder ein nahezu religiöses Bekenntnis zur europäischen Einheit. Für den Kontinent, der schon so lange im Konflikt  mit sich selbst liegt, ist beides zu wenig.

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Marco Gallina

18. April 2021

Europa
Europa ist auf der Suche nach Identität und nach gesellschaftlicher Verfasstheit. Für Marco Gallina ist auch der Gedanke an die Religion als bindende Klammer, nicht ausgeschlossen. Foto: Adobe Stock

Wir sind die Menschen von gestern. Die Cancel Culture der Gegenwart ist (auch) das Symptom eines Ohnmachtsgefühls, die eigene Vergangenheit nicht bewältigen zu können. Frühere Generationen haben die Kapitulation vor der Vergangenheit ironisiert oder sich in Zukunftsillusionen geflüchtet. Der Futurismus des beginnenden 20. Jahrhunderts war eine andere Lösung für dasselbe Problem. Er pflegte die Vorstellung, durch Abstreifen des Alten und Hingabe zum Neuen eine andere  entlastende   Perspektive zu öffnen.

Minderwertigkeitskomplexe oder Überforderungssituationen, die darin resultieren, die Vergangenheit als unerreichbar oder als Ballast zu begreifen, sind zwei Seiten desselben Bewusstseins. Max Weber, Siegmund Freud, Robert Koch und sogar Albert Einstein sind ein Jahrhundert entfernt; doch ähnlich, wie die heutige Lebensreformbewegung unter grünem Label firmiert, so bestimmt die Gesellschaft noch immer Denken und Mentalität der europäischen Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg. Die zentrale Diagnose ist dieselbe: Europa liegt im Konflikt mit sich selbst.

Mentalitätsmäßig immer noch in den Zeitlinien des Empires

Es ist ein grundlegender, anhaltender Konflikt, der mindestens zur Französischen Revolution zurückreicht, dessen Wurzeln sich aber weit tiefer in die europäische Geschichte hineinbohren. Es ist der Konflikt, die eigene Tradition und Herkunft mit den Ansprüchen der Moderne in Einklang zu bringen. Es ist zugleich ein Konflikt, den Europa überwunden glaubte, der aber heute mehr denn je gärt. Die Geschichte des „kurzen 20. Jahrhunderts“ stellt sich rückblickend als Parenthese heraus: totalitäre Ideologien, Diktaturen und der Kalte Krieg haben die Sinnkrise des „Fin de siècle“ nur eingefroren, sie aber nicht gelöst. Die Gegenwart gelangt demnach nicht an das Ende der Geschichte, sondern ist eine Fortsetzung des 19. Jahrhunderts. 

Die Zuckungen dieser Rückkehr des 19. Jahrhunderts treten in der europäischen Tagespolitik offen zutage. Der Brexit ist kein Bruch mit der europäischen Geschichte. Er ist auch mehr als der Taschenspielertrick eines begnadeten Rhetorikers. Er war angesichts eines Volkes, das mentalitätsmäßig immer noch in den Zeitlinien des Empires „fühlt“ gar nicht anders möglich. Die britischen Interventionen auf dem Kontinent begründete stets der Gleichgewichtsgedanke, keine Hegemonialmacht auf dem Festland zuzulassen. Die „splendid isolation“ beschreibt den historischen britischen Charakterzug deutlicher als Vereinigungsfantasien. Großbritanniens Rückkehr in seine historischen Bahnen war daher eine Hypothek, die abbezahlt werden musste   und nicht etwa eine Entgleisung auf dem sicher geglaubten Weg ins Brüsseler Reich.

„Indes geistert nicht nur in Deutschland
das nebulöse Wort eines „Great Reset“ zwischen den Zeilen.“

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SPANIENS KIRCHE IST IN DER DEFENSIVE

Pedro Sanchez bei Papst Franziskus

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez wurde von Papst Franziskus zu einer Audienz empfangen. Es gibt viele Konflikte zwischen der sozialistischen Regierung und der Kirche. Eine Interview mit dem Kirchenhistoriker und Publizisten José Francisco Serrano Oceja über die schwierige Lage der Kirche in Spanien.

In Spanien dagegen opponiert eine linksextreme Regierung gegen Klerus und Tradition. Die seit Jahren schwierigen Regierungsbildungen, die Kontroverse um die eigene Vergangenheit und Zukunft sowie die Unbeherrschbarkeit einer ganzen Region wecken Erinnerungen an ein Jahrhundert der Wirren, als die einstmals stolze katholische Nation Opfer rivalisierender Ideologien wurde.  

Indes geistert nicht nur in Deutschland das nebulöse Wort eines „Great Reset“ zwischen den Zeilen. Der Ruf schallt, dass es eine „Revolution“ bräuchte, auf dem Land liege der „Staub von 200 Jahren“. Nicht ein populistischer Rädelsführer auf dem Marktplatz hat in dieses Horn gestoßen, sondern der Fraktionsvorsitzende der größten deutschen Partei im Bundestag, die seit 16 Jahren regiert. Die Sehnsucht nach einem „reinigenden Gewitter“ ist groß.

Zeitvertreib in transzendentaler Obdachlosigkeit

Der Fehlschluss liegt nah, dass die gegenwärtige Brute Époque wie die vergangene Belle Époque in den Schützengräben ihr Ende findet. Das wäre eine vulgärmachiavellistische Geschichtsdeutung. Der kolportierte Nationalismus war nicht die Ursache der europäischen Explosion. Vielmehr war es die nihilistische Überzeugung, wie sie in Literatur, Drama und Philosophie der Zeit ständiges Thema war; der Übervater der Dekadenz-Romane, Joris-Karl Huysmans, hatte nach der Sezierung des damaligen Zeitgeistes im Kultbuch „Gegen den Strich“ selbst nur noch die Wahl zwischen „Pistole oder Kreuz“ und entschied sich zur Rückkehr ins katholische Leben. Diese Wahl ist die entscheidende Chiffre in damaligen wie heutigen Dekadenz, in der banale Vergnügungen und materialistische Weltanschauungen dominieren. Letztere sind Zeitvertreib in der transzendentalen Obdachlosigkeit, in der das Individuum ohne Gott auf sich selbst zurückgeworfen ist – ein Zustand, den Lukács bereits im Jahr 1916 für das bürgerliche Leben diagnostizierte. Der Hurra-Patriotismus war Füllmittel, nicht Antrieb: er füllte das Loch in einem sinnbefreiten Leben, befriedigte die Sehnsucht nach Ekstase, ja nach „Heil“ in einer gottlos gewordenen Welt, die nach ihrer eigenen Entzauberung keine Wunder, keine Erlösung und keine Wahrheit mehr kannte.  

Dass der post-revolutionäre Kontinent seit Robespierre ideologischen Massenpsychosen verfällt, gehorcht der Zwangsläufigkeit: jede große Aufgabe, jede Herausforderung, jede Abwechslung in einer farblosen Gegenwart wird zum Ersatz für das der Seele Europas entrissene, einstmals verinnerlichte Messopfer. Der Nationalismus von 1914 war nicht der von 1814   und erst recht nicht der von 2014. Bereits 1914 war der Nationalismus eine archaische, eine verstaubte Idee, er war allerdings eines der wenigen gesellschaftlichen Bindeglieder, auf das sich die Europäer angesichts der Relativierung von Religion, Tradition und Familie einigen konnten. Im „Reigen“ von Arthur Schnitzler herrscht eine Sexualmoral vor, die der heutigen kaum nachsteht, aber die Ordnung funktionierte, solange wenigstens Kaiser und Vaterland noch etwas galten. Friedrich Nietzsches Rolle in dieser Epoche war nicht die eines Vordenkers einer moralfreien Zeit, sondern eines Analysten, der vorhersah, dass die Abschaffung der Moral nicht das Schlusskapitel war, sondern die Bereitstellung eines überzeugenden Gegenangebotes zwingend machte.

Die Sinn- und Systemfrage Europas

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Habsburg: Die Kaisergruft, auch Kapuzinergruft genannt, ist eine Begräbnisstätte der Habsburger in Wien.

650-jährige Herrschaft der Habsburger: Vom Aufstieg des Grafengeschlecht zur mächtigsten Dynastie Europas. Von Stephan Baier

Letzteres steht nach dem Zusammenbruch gleich mehrerer totalitärer Ideologien und „Umwertung aller Werte“ immer noch aus. Selbst die moderne Demokratie samt Liberalismus galt zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts als überholt angesichts der Herausforderungen der Massengesellschaft. Schon vor 1939 zeichnete sich die Mehrzahl der europäischen Staaten durch ihren autoritären Charakter aus. Dass die Demokratie heute das vorherrschende System Europas darstellt, liegt an ihrer Wiedererweckung nach dem Zweiten Weltkrieg, um sie in Stellung gegen den sowjetischen Kommunismus zu bringen. Wie Rom nach dem Wegfall Karthagos stellt sich den europäischen Staaten die Sinn- und Systemfrage, deren bisherige Antwort das nahezu religiöse Bekenntnis zur europäischen Einheit war. Aber auch die EU soll in ihrer endgültigen Fassung nicht etwa ein Österreich-Ungarisches oder gar Heilig Römisches Reich sein, sondern ein vergrößerter Europäischer Nationalstaat. An die Stelle des Nationalismus tritt nicht etwa eine abendländische Ideologie mit Sinn für kulturelle, religiöse und institutionelle Besonderheiten, sondern ein dumpfer EU-Nationalismus als Karikatur des 19. Jahrhunderts. Es ist nicht ohne Ironie, dass die meisten Gegner dieses Projekts   vermeintliche Reaktionäre und Populisten   in Wirklichkeit Nationalliberale sind, deren eigener historischer Bezugspunkt nicht weiter als bis zum Kaiserreich von 1871 zurückreicht. 

Es gilt dabei nicht nur einer Renaissance europäischer Werte das Wort zu reden. Dass die Sinnkrise Europas nicht direkt nach der Revolution begann, sondern in der langen Friedens- und Wohlstandszeit nach dem Deutsch-Französischen Krieg, resultiert nicht zuletzt aus der Kunst der damals noch jungen Nationalstaaten, Tradition und Moderne zu verbinden. Die Gegenwart sieht dagegen einen Widerspruch in einem autobegeisterten Kaiser oder einem Märchenkönig, der einen hochtechnisierten Hof hielt. Die hochaustarierte Restauration nach dem Wiener Kongress wird zum reaktionären Schreckgespenst verklärt. Es herrscht die Parole von Maß und Mitte, obwohl sich die Gegenwart gerade dadurch auszeichnet, maßlos in der Anwendung ideologischer Werkzeuge zu sein; indes sie mittellos ist, wenn es darum geht, die Widersprüche von Tradition und Moderne zu lösen, weil die Tradition in den Augen der Federführer ihre Gleichwertigkeit verloren hat. 

Religion als verbindender Faktor

Bisher existieren nur zaghafte Bemühungen, einen neuen Bogen zu spannen, der diese Gegensätze überbrückt. Die Impulse gehen von Staaten aus, die dem Warschauer Pakt angehörten. Auch der Ostblock bekam durch den Kommunismus eine Parenthese verordnet. Sie wirkte sich aber auf die Mentalität anders aus: Sie stärkte das Bewusstsein für die Kostbarkeit des Lebens im Angesicht der Diktatur. Sie stärkte den Sinn für Einzigartigkeit und Vergänglichkeit. In Polen erwuchs die Religion zum verbindenden Faktor als sie de facto verboten war. Ungarn beruft sich wieder auf den Heiligen Stephan und interpretiert sich selbst als christliche Demokratie. Es sind Gegenkonzepte zur „ewigen Demokratie“ Westeuropas. Gegenkonzepte die tragen könnten, indes Europa sich in seiner Lethargie weniger einer Explosion, denn einer Implosion entgegenschleppt.

Warum sind die COVID-Impfstoffe so toxisch?

In der Kalenderwoche 16/2021 waren in den USA mehr als 3.700 Menschen im engen Zusammenhang mit der Impfung mit (biochemisch sehr ähnlichen) SARS-CoV-2 mRNA-Impfstoffen von Pfizer/BioNTech oder Moderna gestorben, bei etwa 210 Millionen verimpften Dosen. Das sind 17 Tote auf eine Million Geimpfte. Beim Impfstoff von AstraZeneca, der auf einem Adenovirus beruht, sind es 24 Tote pro eine Million Impfdosen im Vereinigten Königreich und 18 in Frankreich, in Deutschland 6. Im Mittelwert bringt es die mRNA-Impfstoffe auf etwa 20 Tote pro eine Million Geimpfte, der AZ-Impfstoff auf 10. Die Zahlen wurden zwar von der Agentur Rossiya Segodnya aus Moskau zusammengestellt, doch haben wir sie stichprobenartig überprüft: sie stimmen.

Selbstverständlich ist ein Kausalzusammenhang in vielen Fällen nicht nachgewiesen, doch ist eine solche Häufung von ärztlichen Meldungen von Todesfällen im Zusammenhang mit Impfungen in den letzten Jahrzenten nie aufgetreten.

Bei konventionellen Impfstoffen sterben ein bis zwei Impflinge auf 10 Millionen Geimpfte. Selbst wenn man von den gemeldeten Toten die Hälfte abzieht, um die spontane Absterberate der teilweise sehr alten Geimpften einzupreisen, muss man sich dennoch fragen: Warum haben die SARS-CoV-2 Impfstoffe so eine hohe Letalität?

Die Todesursachen

Zwei wesentliche Todesursachen stechen hervor: anaphylaktischer Schock und Blutgerinnungsstörungen. Es ist schon lange bekannt, dass freie mRNA im Extrazellulärraum akute allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen können. Bei diesem Syndrom überreagiert das Immunsystem und es kommt zur massenhaften Ausschüttung von gefäßerweiternden und die Bronchien zusammenziehenden Substanzen. Dadurch kommt es zu einer allgemeinen Blutgefäßerweiterung (Vasodilatation) und zu einem Bronchospasmus mit starker Einschränkung des Gasaustauschs in der Lunge. Die Blutflüssigkeit versickert in der Peripherie des Blutkreislaufs, es kommt zum Volumenmangel, da nicht mehr genug Blutflüssigkeit zurück zur Lunge und zum Herzen gepumpt werden kann. Gleichzeitig wird das wenige Blut, das noch vorhanden ist, nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versetzt. Das Herz beginnt zu rasen, aber der Blutdruck fällt: Schock. Der Patient stirbt an zerebraler Hypoxie (unzureichender Sauerstoffversorgung des Gehirns) oder Herzversagen. In vielen Fällen platzen die mRNA-tragenden Lipidpartikel, aus denen die Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und Moderna bestehen, beim Durchlaufen der Logistikkette auf oder sind schon ab Produktion schadhaft. Dadurch wird die nackte mRNA bei der Injektion in den Extrazellulärraum (den Raum zwischen den Zellen des Muskels, in den die Injektion erfolgt) eingebracht. Bei anfälligen Patienten lösen sie einen anaphylaktischen Schock aus. Das Risiko anaphylaktischer Reaktionen ist bei den mRNA Impfstoffen gegenüber konventionellen Impfstoffen um ein Vielfaches erhöht. Das erklärt einen Teil der Toten, wahrscheinlich knapp die Hälfte.

Etwa die andere Hälfte stirbt an Gerinnungsstörungen. Wie kommt es dazu? Vor einigen Tagen hat Sucharit Bhakdi mit seiner Ehefrau, der Biochemikerin Karina Reiss, dazu einen Artikel veröffentlicht. Darin stellen sie eine Hypothese zur akuten Toxizität der Impfstoffe dar, die Bhakdi bereits Ende Februar mit über 20 Kollegen in einem Brief an die Chefin der EMA (Europäische Arzneimittelbehörde) Emer Cooke vorgetragen hatte. Wie lautet ihre wissenschaftliche Vermutung und was ist davon zu halten?

Bhakdis These…

Nach der Injektion der mRNA-Lipidpartikel (Pfizer/BioNTech oder Moderna) oder der rekombinanten Adenoviren (AstraZeneca, Biocad [Sputnik V]) werden viele der injizierten Nukleinsäure-Vektoren in das umliegende Gewebe aufgenommen, wo sie zur SARS-CoV-2-Spike-Proteinfragment-Produktion und zur Bildung von Antikörpern und klonalen Vermehrung von T-Gedächtniszellen führen; der Mechanismus wurde hier bereits mehrfach dargestellt. Es gelangen aber auch Partikel in die Lymphbahn und das Blut. Bhakdi nimmt an, dass die Partikel in der Endstrecke des arteriellen Systems, den Kapillaren (das sind winzige Verzweigungen der Arterien, in denen der Blutdruck sehr gering ist und die das Gewebe versorgen), von den Zellen, die die Kapillaren auskleiden, aufgenommen werden. Wenn diese Zellen dann das Spike-Protein produzieren und auf ihrer Zelloberfläche aufweisen, könnten T-Killer-Zellen die Endothelzellen angreifen, um das Virusprotein zu eliminieren und dadurch die Kapillaren verletzen.

Dies wiederum führte laut Bhakdi zur Schädigung der Kapillaren und kann zu einer Aktivierung der Blutgerinnungskaskade führen. Dies kann verschiedene Auswirkungen haben. Entweder kann es zu großen Thrombosen kommen, wie bei den Todesfällen durch Sinusvenenthrombosen, die selten aber immer wieder nach der Impfung bei jungen Patienten beobachtet werden. Oder es kann zu Lungenembolien durch Thromben kommen, die sich im venösen System bilden und über das rechte Herz in die Lunge gespült werden. Treten sie auf, so sind sie auch oftmals tödlich, weil der Druck im kleinen Herzkreislauf so lange ansteigt, bis das rechte Herz versagt; es kommt dann zum Herzstillstand. Oder es kann zu einer disseminierten intravasalen Koagulopathie kommen, bei der überall im Körper gleichzeitig Gerinnungsvorgänge stattfinden, bis die Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten verbraucht sind. Der Tod tritt dann entweder durch hypoxisches Organversagen (mangelhafte Sauerstoffversorgung) oder durch inneres Verbluten ein.

Warum glaubt Bhakdi, dass die T-Killer-Zellen bereits bei der ersten Impfung infizierte Endothelzellen angreifen könnten, die das Spike-Protein exprimieren? Weil bis zu 80 Prozent aller Menschen, die keine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, über T-Zellimmunität (also die Fähigkeit, mit dem Virus infizierte Zellen zu zerstören) verfügen. Das bedeutet, dass aufgrund des endemischen Charakters (ständiges Vorhandensein von Viren in der Humanpopulation) der Coronavirenfamilie bei Menschen dem SARS-CoV-2 so stark ähnliche Viren vorhanden sind, dass bei einer Infektion oftmals Kreuzimmunität besteht. Dies erklärt auch den milden Verlauf der „ersten Welle“ Anfang 2020, bei der die Anzahl der COVID-Toten wahrscheinlich zum letzten Mal korrekt berechnet wurde (danach wurden massenhaft an anderen Ursachen Gestorbene zu COVID-Toten umetikettiert): Das Virus tötet nur so wenig Menschen, weil die meisten über eine Kreuzimmunität dagegen verfügen.

Bhakdi weist auch darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit des von ihm vermuteten Mechanismus der Blutgerinnungsstörung mit der Anzahl der Impfdosen und jüngerem Alter zunimmt, da das Immunsystem immer empfindlicher auf die Anwesenheit des Spike-Proteins in den Endothelzellen reagieren wird und bei jüngeren Menschen aktiver ist. Daher befürchtet er, dass die akute Toxizität der Impfung mit jedem Impfzyklus ansteigen und bei jüngeren Impflingen, deren Immunsystem stärker reagiert als das von alten Menschen, stark zunehmen könnte.

… und was davon zu halten ist

Die These von Bhakdi und Reiss scheint plausibel. Doch bisher konnte sie experimentell weder im Tierversuch noch in Obduktionen der Toten nachgewiesen werden. Sicherlich sind weltweit bereits Obduktionen im Gange, doch sind bisher erst wenige publiziert worden. Ein in der vergangenen Woche erschienener wissenschaftlicher Bericht über die Obduktion dreier nach der Impfung verstorbener alter Patienten zeigt keinen Zusammenhang mit der Impfung. Um Bhkadis These zu validieren, müssen Tierversuche zur Verteilung der Impfvektoren im Körper durchgeführt werden, die normalerweise während der vorklinischen Phase der Erforschung potenzieller Impfstoffe angefertigt werden. Außerdem müssen an den Tieren immunologische Versuche durchgeführt werden, um zu verstehen, ob es tatsächlich zu zellulären Immunreaktionen in den Kapillaren kommen kann. Bei den vermuteten Impfstoffopfern müssen sehr detaillierte histopathologische Untersuchungen durchgeführt werden, um seine These zu validieren. Man kann im Obduktionsgewebe T-Zellaktivierung und Blutgerinnung mikroskopisch und histochemisch gut nachweisen. Wir werden also mit der Zeit erfahren, ob Bhakdi recht hat. Die Fälle von tödlichen Thrombosen, die bereits aufgetreten sind, scheinen ihm recht zu geben.

Sehr wichtig ist die Frage, wie häufig und wie schwer solche akuten Reaktionen gegen die eigenen Kapillaren sind. Bei impfstoffnaiven Impflingen sind sie so selten, dass sie in den Zulassungsstudien von Pfizer, Moderna und AstraZeneca nicht zu Todesfällen oder schweren Verläufen geführt haben, obwohl die Impflinge in den Studien zwei Dosen erhalten haben. Geht man davon aus, dass bis zu 10 von 1 Million Impflingen daran sterben, wäre die Frequenz 1:100.000, also zu selten, um sie in einer Studie mit 40 Tsd. Probanden, von denen die Hälfte nur eine Kontrollinjektion erhalten hat, zu sehen. Die Häufigkeit ist gering, aber für einen Impfstoff viel zu hoch. Die Frequenz könnte aber steigen, wenn mehrere Impfrunden durchgeführt werden. Außerdem ist noch vollkommen unbekannt, ob die Impfung mit dem Spike-Protein mittelfristig zu chronischen Autoimmunerkrankungen führen könnte. Auch das wurde bisher nicht untersucht. Es könnte ein böses Erwachen geben. Insbesondere, weil es sich bei allen SARS-CoV-2 Impfstoffen um Placebos handelt.

Die Placebos

Warum? An SARS-CoV-2 sterben nur 1 Promille der Infizierten. Es erkranken auch nur wenige schwer. In der Pfizer-Studie zur Zulassung gab es gerade einmal 170 (zum großen Teil milde) Krankheitsfälle auf 43.448 Studienteilnehmer, davon 8 unter den Geimpften und 162 unter den Nichtgeimpften. Die Reduktion der Fälle zwischen Geimpften und Nichtgeimpften betrug 154. Das bedeutet, dass man 141 Personen impfen muss, um einen meist milden Fall zu verhindern. Bei der Masernimpfung, einer echten Impfung, ist diese Zahl um ein bis zwei Größenordnungen kleiner (je nach Immunstatus der Probanden), da fast jeder Impfling vollständig immun wird und auch als Virusüberträger ausscheidet. Beides ist bei der SARS-CoV-2 Impfung nicht der Fall. Dass die Impfstoffe gegen schwere Verläufe und den seltenen Tod an der Viruspneumonie  helfen, konnte bisher keine Studie nachweisen. Ebenso wenig verhindern sie zuverlässig die Übertragung. Die “Impfung” hat also in erster Linie eine psychologische Placebo-Wirkung. Warum sollte man für ein Placebo Leib und Leben riskieren?

Dr. Jochen Ziegler ist das Pseudonym eines Arztes und Biochemikers. Er arbeitet als Berater für private Anbieter des Gesundheitssystems und lebt mit seiner Familie in Hamburg.

Achgut.com

Die Feinde der offenen Gesellschaft machen sich kenntlich

Carl Christian Jancke,

Die 53 Schauspieler haben eins erreicht. Sie sind aufgefallen und haben die Schlagzeilen beherrscht. Ob jeder, der darüber geschrieben hat, verstehen wollte, was sie bewegt, bewegt hat, sei dahingestellt. Wie Stefan Aust hat mich dieses gemeinschaftliche, individuelle Statement an jenen Novembertag 1976 erinnert. 

Am 17.11.1976 protestierten Christa Wolf, Sara Kirsch, Volker Braun, Gerhard Wolf, Rolf Schneider, Erich Arendt, Stephan Hermlin, Franz Fühmann, Stefan Heym, Jurek Becker, Günter Kunert und Heinz Müller gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und baten den Generalsekretär der SED, Erich Honecker, “die beschlossene Maßnahme zu überdenken“.

Später traten viele prominente DDR-Intellektuelle, Künstler und auch Schauspieler dieser Erklärung, die für das Neue Deutschland und Honecker und nicht für die Westpresse bestimmt war, bei, darunter Manfred Krug, Nina Hagen, Ulrich Plenzdorf und Jürgen Fuchs. 

Die Unterzeichner durften zur Klärung eines Sachverhalts mit der Stasi pädagogische Gespräche führen und wurden, wenn sie ihre Unterschrift nicht zurückzogen, aus Partei und/oder Schriftstellerverband ausgeschlossen. Einige hielten dem Druck nicht stand. Manfred Krug, der nicht nur ein guter Sänger und Schauspieler war, hat darüber ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel der Konsequenz. „Abgehauen”. Ich war damals 12 und lebte im Westen. Im Westen ist am besten, lieber blau als grau (EXTRABREIT). Krugs Buch ist – wie der dazugehörige Film – ein Zeitzeugnis. Es beschreibt die Atmosphäre, die Zerissenheit und den Druck, unter dem sie damals standen. 

Es entstand eine unüberbrückbare Distanz.

Für den Westen war nicht nur Krugs Wechsel ein Geschenk. Man denke nur an „Liebling Kreuzberg”, einen der amüsantesten Straßenfeger der Achtziger Jahre. „Rausgeschmissen“ hätte es besser getroffen. Das Drehbuch stammte vom unvergessenen Mitunterzeichner Jurek Becker („Jakob der Lügner“). Der Ausreise ging allzu oft ein jahrelanges faktisches Berufsverbot voraus. Wer ein Telefon hatte, konnte es wenigstens verfluchen, weil es nicht mehr klingelte. 

Das war eine Zäsur. Zwischen Staat, Partei und den Künstlern entstand eine unüberbrückbare Distanz. Nur die Linientreuen blieben bei der Stange. Die Faszination des Sozialismus war gestorben. Und viel bis dahin Unausgesprochenes war plötzlich offenbar.  

Am 4. November 1989 sprach ein gewisser Jan Josef Liefers auf der ersten genehmigten DDR-Großdemonstration. Ein Schauspieler. Schon damals ging es ihm auch um eine berechtigte Abgrenzung. Er wollte von den Funktionären nicht in Anspruch genommen werden. 

Niemand konnte damals wissen, dass die Sowjets einfach nicht mehr genug Schweröl in den Panzern hatten, um von Karlshorst und Strausberg bis zum Brandenburger Tor zu fahren. Gorbatschow war kein Freund der Freiheit. Aus Mangel an Ressourcen, die dem „Warschauer Pakt” nicht mehr reichten, nahm er schlicht das vor, was der Militär beschönigend eine „Frontbegradigng” nennt.   

Bevor jetzt jemand meint, man könne Äpfel und Birnen nicht vergleichen und der Vergleich mit der Aktion der 53 Schauspieler mit ihren YouTube-Videos sei unangemessen, dem sei der Unterschied einer Gleichsetzung und eines Vergleiches in Erinnerung gerufen. Letzterer macht die Unterschiede deutlich. 

Bußgeld (was für ein Wort)

Nein, wir leben nicht in einer „DDR light”. Wir werden von keiner Stasi bedroht. Und wir können jederzeit das Land verlassen und unseren eigenen Weg gehen. Vielleicht nicht in den nächsten Wochen, wer aber nach Frankreich, Polen oder Österreich fliehen will, wird bestenfalls von diesen Ländern daran gehindert. Sein Leben ist aber nicht in Gefahr. Natürlich haben Einzelne von uns mit Beeinträchtigungen zu kämpfen.

Bei uns ist selbst der Verstoß gegen die Ausgangssperre eine Ordnungswidrigkeit und zieht ein Bußgeld (was für ein Wort) nach sich und keine Strafe. Keiner muss nach Bautzen. Es wird aber auch niemand freigekauft und kommt in den besseren Westen. Mangels Nachfrage fällt der innerdeutsche Menschenhandel aus. Wir müssen hierbleiben. Das verschafft unserem Handeln seine eigene Endgültigkeit. 

Bußgeld, das klingt so nach Ablasshandel. Und Ablasshandel klingt irgendwie nach Martin Luther. Die Stadt Worms ist betrübt, dass ihre Idee, das berühmte Zitat Luthers „Hier stehe ich, ich kann nicht anders” durch geschicktes Stadtmarketing für den Tourismus zu nutzen, an den Corona-Maßnahmen gescheitert ist. Immerhin hat sie es in die Tagesschau geschafft. Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!

Welche Kraft der Freiheit ging von jenem mit einer alten Schreibmaschine mit verschwommenem Schriftbild formulierten Sinnbild aus. Am Anfang war das Wort. Und bekannte Menschen, Teile des Establishments, haben ihren Namen, ihr Renommée in die Waagschale geworfen und waren bereit, die Konsequenzen zu tragen. Diese Menschen haben Deutschland besser gemacht, als es noch zwei davon hatte. 

Demütig den Warnsignalen der Brandmelder der Freiheit lauschen

Ich bin oft genug peinlich berührt von der westdeutschen Arroganz, und diese falsche Selbstgewissheit ist Teil unseres Problems. Wenn bei denen, die Unfreiheit erlebt und Freiheit erkämpft haben, die Alarmglocken früher schrillen, sollten wir demütig den Warnsignalen der Brandmelder der Freiheit lauschen, statt sie zu ignorieren. 

Dieses westdeutsche, genügsame Establishment, das sich behaglich in den Nischen des sonntäglichen Tatorts eingerichtet hat, wo die Anderen dem Spiel der Einen im sprichwörtlichen Altbau im Prenzlauer Berg folgen (Der Mörder ist immer der Manager/Unternehmer/Rechte), wo man sich freundlich den Kochkünsten der Hausherrin bei Champagner und Chianti hingibt und sich in der Selbstgewissheit des Lifestyle-Ökosozialismus wiegt und die Realität geflissentlich übersieht, wenn sie dem eigenen Weltbild widerspricht.

Diese idyllische Insel der Selbstgewissheit ist zerstört. Unwiderruflich. Ausgerechnet die Hohepriester der allsonntäglichen Selbstbestätigung haben sich an die Spitze der Bewegung gestellt: diejenigen, die dem letzten öffentlich-rechtlichen Gassenhauer ihren Ruhm verdanken, die Hauptrollen im „Tatort“ spielen und durch die edlen Villen in den teuren Vororten streifen und die bösen Kapitalisten verhaften. Da hilft es wenig, wenn sie ihre Videos „zurückgezogen” haben. Deren Inhalt bleibt kleben. Für die Falschen gelten sie in Zukunft als unsichere Kantonisten. Aber wie einst DEFA und Fernsehen der DDR entscheiden die ja über die Rollenangebote. Und dem deutschsprachigen Schauspieler steht die Flucht in den Westen nicht mehr offen. In Hamburg, Köln und München sitzen auch jede Menge der Mainstream-Produzenten, die Angst haben, einen „umstrittenen” Mimen zu besetzen. Die Lethargie der Bundesrepublik schärft nicht den Charakter. Mangels Widerstand.  

Der Luxus eines eigenen Urteils scheint unbezahlbar 

Wer einen Shitstorm hat, braucht keine Stasi. Der vorauseilende Gehorsam in den meisten Redaktionen und der Reflex der Verurteilung macht Zensur überflüssig. Den Rest erledigen die Schere im Kopf und der vorauseilende Gehorsam. Der Luxus eines eigenen Urteils scheint unbezahlbar. 

Die Videokünstler haben bemerkt, dass man am Ast, auf dem sie sitzen, nicht mehr sägen kann. Er knackt schon so. Der ganze Baum ist marode. Das ist die Parallele zu den Unterzeichnern von 1976. Und der Knacks wird ein Echo haben wie ein Donnerhall. Der Geist ist aus der Flasche. Und da kriegt ihn auch Marietta Slomka nicht mehr rein. 

Der 17.11.1976 markiert den Anfang vom Ende der DDR. Weil ihr der Esprit und der Geist verlorenging und viele Intellektuelle nicht mehr oder immer weniger daran glauben konnten. Das Siechtum, das 16 Millionen in Geiselhaft nahm, die sich nach Reisefreiheit, japanischen Autos und koreanischen Videorekordern (oder umgekehrt) sehnten, dauerte noch gut 15 Jahre. Und als sie vermeintlich am 4.Oktober 1990 aufwachten, erwies sich das Werbefernsehen als Illusion. 

Die Panikmache der Pandemiker fiel bei uns im Westen auf fruchtbaren Boden. Je abstrakter wir leben und arbeiten, desto größer die Bereitschaft, die Angst fast schon dankbar zum Teil unseres Lebens zu machen. Fast schon die gerechte Strafe für unser dekadentes Dasein. Die Relativierer und Kritiker fielen der Staatsgläubigkeit, die sich flächendeckend eingeschlichen hat, zum Opfer. 

Uschi von der Leyen hätte in die Röhre geschaut 

Langsam schwant vielen, dass Merkel nicht allwissend ist, und wir bemerken, dass Aldi schneller und billiger Masken herbeigeschafft hat und es bei Lidl genauso schnell Selbst-Tests gibt. Was wäre wohl gewesen, wenn wir denen die Beschaffung des Impfstoffs aufgetragen hätten. Uschi von der Leyen hätte in die Röhre geschaut. 

Nicht der Markt hat versagt. Der Staat stellt seit einem Jahr seine Ratlosigkeit zur Schau. Um das zu kaschieren, operiert er mit noch größerer Panikmache und noch massiveren Eingriffen in unsere Grundrechte bis ins Schlafzimmer. Statt auf die vorhandene Struktur der Hausärzte zu vertrauen, die ihre Pappenheimer kennen, wurden monströse Impfzentren etabliert und planwirtschaftliche „Prioritäten” erfunden, die Risikopatienten übersehen. 

In den Ministerpräsidentenkonferenzen hat die herrschende Klasse ausreichend ihr Unvermögen dargestellt, unser Leben besser zu regeln als wir selbst. Darüber haben wir noch gar nicht nachgedacht. Aber das Vertrauen in die Politik und die Staatsgläubigkeit ist verloren. Wir müssen unser Leben, unsere Zukunft schon wieder selbst in die Hand nehmen. 

Wer die 53 Videos nur als Protest gegen die inkonsistente und falsche CORONA-Politik versteht, greift zu kurz. Das wird wahrscheinlich auch den Autoren gerade und langsam gewahr. Es geht um die Wiederherstellung der offenen Gesellschaft und einen offenen Wettbewerb um die richtigen Lösungen anstelle politischer Glaubensbekenntnisse. Das hat die Feinde der offenen Gesellschaft auf den Plan gerufen. Sie haben sich aus der Deckung gewagt und müssen nun damit leben, dass wir wissen, wer sie sind.  Foto: Joel OrmsbyFlickrCC BY 2.0via Wikimedia

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uuuuups, und plötzlich verrät uns EZB-Chefin Lagarde, wie es wirklich um uns steht.

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Willkommen zurück! Achim Winter ist ausgebüxt und hat Urlaub von Corona gemacht. Aber die freie Zeit bei „5 vor 12“ ist vorbei – und Achim Winter staunt über ein Land, das nicht mehr seins ist. Aber wie ist es dann? Roland Tichy über Realität und Illusion – etwa die Illusion, dass wir alle leben ohne arbeiten können, dass der Staat unendlich viel Geld hat und Inflation nicht mehr möglich ist — uuuuups, und plötzlich verrät uns EZB-Chefin Lagarde, wie es wirklich um uns steht.

Kein Denkmal für alle

Visualisierung des Denkmalprojekts: Der Gedenkstein soll im Mai auf dem kommunalen Friedhof eingeweiht werden
Foto: Stadt OppelnVisualisierung des Denkmalprojekts: Der Gedenkstein soll im Mai auf dem kommunalen Friedhof eingeweiht werden

Östlich von Oder und Neiße

Ein Denkmal für 67 – kein Denkmal für alle

Oppelns Stadtpräsident will im Mai allein der polnischen Opfern des dritten Aufstands in Oberschlesien gedenkenChris W. Wagner26.04.2021

67 polnischen Opfern der sogenannten Schlesischen Aufstände (polnische Aufstände in Oberschlesien) aus dem Landkreis Oppeln soll ein Denkmal gesetzt werden. Dies haben die Oppelner Ratsherren beschlossen. Das Denkmal soll auf dem kommunalen Friedhof im Stadtteil Halbendorf [Półwieś] seinen Platz finden. Ziel der Initiative sei es, kommenden Generationen ein Beispiel für Patriotismus und Liebe zum Polentum zu geben, heißt es in der Beschlusserklärung.

Da die Gedenkstätte aus öffentlichen Geldern finanziert wird, also auch von den Nachkommen derjenigen, die für den Verbleib ihrer Heimat bei Deutschland kämpften, regt sich Widerstand seitens der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen (SKGD). Rafał Bartek, Vorsitzender der Organisation der Deutschen in der Woiwodschaft Oppeln, wandte sich mit einer Stellungnahme an den Stadtpräsidenten (Oberbürgermeister) Arkadiusz Wiśniewski. „Es scheint, dass 100 Jahre nach den tragischen Ereignissen eine so lange Zeit vergangen ist, um alle zu ehren, die damals gestorben sind, unabhängig ihrer Nationalität. Die Region und die Stadt werden heute von den Nachkommen beider Seiten dieses historischen Konfliktes bewohnt“, schreibt Bartek auf der Internetseite „skgd.pl“, wo er auch Orte für ein Gedenken benennt: „Man erinnert auch daran, dass sich in der Stadt Oppeln auf dem Friedhof in der Wrocławskastraße Gräber von Soldaten der alliierten Streitkräfte befinden, die vor 100 Jahren starben (31 britische Soldaten, die zwischen 1921 und 1922 ihr Leben verloren haben) und in Oppeln stationiert waren“ oder „in der Nähe des Plac Wolności, wo sich der Sitz des Regierungsbezirkes in Oppeln befand, wo die Internationale Kommission residierte und wo sich jetzt ein bescheidenes Gedenken an General Le Rond befindet“. Die Antwort sandte Wiśniewski an die polnischen Medien der Region: „Sie haben Recht, dass heute in der Woiwodschaft Oppeln auch die Nachfahren derer leben, die für Deutschland kämpften. Dies ist aber kein ausreichender Grund, um deutschen Soldaten ein Denkmal aufzustellen“.

Der seit 2014 amtierende Stadtpräsident ist Ideengeber für dieses Denkmal. „Es soll Helden ehren, die für das Polentum dieser Gebiete kämpften, nicht jedoch diejenigen, die auf sie geschossen haben. Nie käme es für mich in Frage, diese anderen zu feiern. Ich erinnere daran, dass Vorkriegsdeutschland eine ganze Reihe an Repressionen gegenüber den Aufständischen und ihren Familien vornahm“, so Wiśniewski, der in der Stellungnahme der SKGD einen weiteren Versuch „zur Wahrheitsverwischung der damaligen Ereignisse“ sieht.

Wiśniewski bleibt uneinsichtig

Der Hinweis des Stadtpräsidenten, dass die Deutsche Minderheit ihre Sitze im Sejmik (Landtag) nutzen könne, kann kaum als wohlwollend gewertet werden, denn durch Wiśniewskis Schachzug ist 2017 Oppeln um benachbarte, von Deutschen bewohnte Gemeinden erweitert worden. Damit entledigte man sich mehrerer deutscher Gemeindevorsteher, und die eingemeindeten Ortschaften verloren ihre zweisprachigen Ortsschilder. Solche dürfen nämlich nach polnischem Recht nur in Orten mit mindestens 30 Prozent Angehöriger einer Minderheit angebracht werden.

Weder Proteste und Hungerstreiks noch Demonstrationen seitens der Deutschen und ihre Petitionen in Warschau und Straßburg hatten damals Wirkung gezeigt.

paz