Bahlsen benennt Afrika-Waffeln um

Oben: Rassistische Waffeln. Unten: Gutmenschenwaffeln. Hat diese Produktumbenennung unsere Welt zu einem besseren Ort gemacht?

Von MANFRED ROUHS | Bahlsen benennt endlich seine Afrika-Waffeln um. Die wurden nicht, wie man annehmen könnte, in den 30er und 40er Jahren am Markt eingeführt, als in Deutschland der Rassismus grassierte. Sondern in den 50ern, als bei dem Begriff Afrika im Zusammenhang mit Schokoladenwaffeln offenbar noch niemand auf die Idee kam, dass das Ganze irgendetwas mit Rassismus zu tun haben könnte. Heilige Einfalt! Jetzt aber weiß die Werbeabteilung des Unternehmens es besser und trägt dem Zeitgeist in angemessener Form Rechnung.

Die Waffeln heißen jetzt „Perpetum“. Das soll irgendetwas mit Nachhaltigkeit zu tun haben, meldet die „Bild“-Zeitung. Den Deutungszusammenhang versteht wahrscheinlich nur, wer in der Schule Latein hatte. Aber die Bezeichnung ist immerhin eindeutig nicht rassistisch.

Gerade Bahlsen muss vorsichtig sein. Das Familienunternehmen hat nämlich während des Zweiten Weltkrieges Verpflegung für die Wehrmacht produziert und damit die Befreiung Deutschlands vom Joch des Faschismus durch Stalins Rote Armee und die US-Streitkräfte sinnlos hinausgezögert. Zudem hat Bahlsen zu eben diesem Zweck der Produktion von Nahrungsmitteln sage und schreibe 200 Zwangsarbeiter beschäftigt, denen gegenüber die Betriebsführung die Schrecken ihres Unrechtsregimes dadurch verschleierte, dass es sie alle recht gut genährt und lebend durch den Krieg brachte.

Als dann auch noch 2019 die damals 26-jährige Verena Bahlsen, die ein Viertel des Unternehmens geerbt hat, in einem Pressegespräch jegliche Kollektivschuldsensibilität vermissen ließ, brannten bei den Gut- und Bessermenschen alle Sicherungen durch. Sie hatte seinerzeit gegenüber „Bild“ über Bahlsen im Zweiten Weltkrieg und die Zwangsarbeiter geäußert:

„Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt.“

Vielleicht dürfen jetzt deshalb Schokowaffeln nicht mehr mit Afrika in Verbindung gebracht werden?

Mir persönlich schmecken ja nicht Waffeln, aber Kekse besonders gut, die mit weißer Schokolade überzogen worden sind. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob deren Genuss weniger rassistisch ist als der Verzehr von dunklen Schokoladenkeksen bzw. Waffeln – oder vielleicht sogar noch schlimmer?

Wie so oft gilt auch hier, frei nach Loriot: Es bleibt schwierig.


PI-NEWS-Autor Manfred Rouhs, Jahrgang 1965, ist Vorsitzender des Vereins Signal für Deutschland e.V., der die Opfer politisch motivierter Straftaten entschädigt, vierteljährlich die Zeitschrift SIGNAL herausgibt und im Internet ein Nachrichtenportal betreibt. Der Verein veröffentlicht außerdem ein Portal für kostenloses Online-Fernsehen per Streaming und stellt politische Aufkleber und andere Werbemittel zur Massenverteilung zur Verfügung. Manfred Rouhs ist als Unternehmer in Berlin tätig.

Politik als Werbung oder Werbung als Politik? Der Wahlkampfmanager der Grünen

Es war bei dieser Partei schon immer schwer unterscheidbar, was Werbemasche war und was Politik. Kein Wunder, dass sich das auch in den Lebensläufen einzelner Personen widerspiegelt. Der neue Wahlkampfmanager ist ein Musterbeispiel dafür.

Politik als Werbung oder Werbung als Politik? Der Wahlkampfmanager der Grünen
Grünen-Parteitag in Bayern, April 2021

von Dagmar Henn

Michael Scharfschwerdt, der Wahlkampfleiter für Annalena Baerbock, könnte eine Symbolfigur für die transatlantischen Netzwerke der Grünen sein. Obwohl deutlich jünger als die Protagonisten, die aus der Friedens- eine Kriegspartei machten, Joschka Fischer und Reinhard Bütikofer, ist er engstens mit ihnen vernetzt und hat seinen ganzen Lebenslauf in dem Schattenreich zwischen Politik, Werbung, Intrige und Geldmacherei verbracht.

Als er 2001 für ein Jahr die Büroleitung für Reinhard Bütikofer übernimmt, ist er erst 27 und hat nach seinem Studium als Diplom-Geologe gerade mal ein Jahr für eine PR-Agentur gearbeitet, die vor allem Pressearbeit macht. Klar, das ist für einen Büroleiter eine wichtige Qualifikation. Vor allem braucht er aber eine weitere: Er muss in der Partei Strippen ziehen können, gegebenenfalls die Fußtruppen mobilisieren, um den Vorsitzenden zu stützen, oder unbotmäßige Landesvorstände mehr oder weniger freundlich unter Kontrolle bringen. Büroleiter bei einem Parteivorsitz ist immer eine Position für einen Chefintriganten.

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Nach Abschluss seiner Tätigkeit für Bütikofer war Scharfschwerdt vier Jahre lang Mitglied des Bundesvorstands der Grünen und dabei verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit. Diese Phase ist gewissermaßen ein Ausreißer in diesem Lebenslauf; Bundesvorstand ist eine tatsächlich politische Stellung, in die man gewählt werden muss. Da konnte er natürlich von Bütikofers Netzwerk, das er als Büroleiter ja betreut hat, profitieren; aber offenkundig war es nicht so ganz nach seinem Geschmack, sichtbar Politik zu betreiben.

Dafür betätigte er sich laut der Webseite der Deutschen Umweltstiftung nebenbei noch im geheimdienstnahen Regimechange-Geschäft: „Seit 2005 arbeitet er auch als Trainer für Politische Kommunikation/Campaigning, vor allem in Osteuropa/dem westlichen Balkan und der östlichen Mittelmeer-Region.“

Von 2007 bis 2011 war er dann Koordinator der deutschen Grünen im Europaparlament. Damit war er wieder auf einem der Posten hinter den Kulissen. Hier ist davon auszugehen, dass ein Teil seiner Tätigkeit darin bestand, die grünen Fraktionen aus anderen Ländern, die sich zum Teil deutlich von den transatlantischen deutschen Grünen unterschieden, irgendwie unter Kontrolle zu bringen.

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Im Mai 2011 kehrt er auf die bereits bekannte Position als Strippenzieher zurück, diesmal für Cem Özdemir, den er letztlich verlässt, um vier Jahre lang in der Beratungsfirma von Joschka Fischer wieder PR zu betreiben, von wo er in eine weitere dieser Beratungsfirmen wechselt, AT Kearney (inzwischen nur noch Kearney), eine Firma, die sich 1939 von McKinsey abgespalten hat und 2016 als bestzahlendes Unternehmen der USA galt, mit einem Mediangehalt von 168.000 Dollar.

In einem Spiegel-Artikel aus dieser Zeit wird er als ein „typischer Vertreter der bürgerlichen Seite der 20-Prozent-Partei – smart, urban, digital und polyglott“ bezeichnet. Diese Bürgerlichkeit, oder, sagen wir mal, die Abstammung aus der gehobenen Dienstklasse, verbindet ihn auch mit Annalena Baerbock, immerhin Tochter des Vorstandschefs eines Automobilzulieferers. Das gewöhnliche Leben eines gewöhnlichen Lohnempfängers ist etwas, das auch Michael Scharfschwerdt nur aus Erzählungen kennt. Sein Umgang fand sich von Beginn seines Berufslebens an auf den Chefetagen.

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Er dürfte auch die Attitüde seines ehemaligen Chefs Fischer teilen, der seine politische Karriere sehr zielstrebig in eine finanzielle ummünzte. Einen Auftritt Fischers bei einer Veranstaltung für seinen Kunden REWE beschrieb das Handelsblatt damals so: „Die ausgestreckte Hand von Ernst Ulrich von Weizsäcker hingegen, dem ehemaligen Chef des Wuppertaler Instituts für Umwelt und Energie, lässt er unberührt und geht weiter. Mit ‚Hallo Joschka‘ will Unternehmer Fischer nicht angesprochen werden.“

Annalena Baerbock ist jedenfalls bei Scharfschwerdt in guten Händen. Er garantiert, dass sich der talentfreien höheren Tochter kein innerparteilicher Quertreiber in den Weg stellt; er weiß, wie man die Truppen in Ordnung hält. Mit der PR, die man bei den Grünen für Politik hält, kennt er sich auch aus. Er wird das tun, was er schon in einem grünen Wahlkampfhandbuch aus dem Jahr 2014 empfohlen hat: „Vergesst die Wählergruppen, die ihr noch nie überzeugt habt.“

RT

Von „pale“ zu „woke“ zu „fail“ – das Auswärtige Amt kapituliert vor dem Zeitgeist

Das Mitarbeiterblatt des Auswärtigen Amtes appelliert an seine Mitarbeiter, bitte endlich „woke“ zu werden. Das hat der deutschen Außenpolitik jetzt gerade noch gefehlt. Dabei ist der Aufruf zu mehr „Diversity“ alles andere als neu.

Von "pale" zu "woke" zu "fail" – das Auswärtige Amt kapituliert vor dem Zeitgeist
Fotomontage. Symbolbild

von Arthur Buchholz

Wie diversen Zeitungen zu entnehmen ist, hat die Mitarbeiterzeitung des Auswärtigen Amtes namens internAA einen Beitrag veröffentlicht, der für einigen Wirbel sorgt. Das Außenamt ist, halten Sie sich fest, zu „weiß“. Das ist in der heutigen Zeit natürlich ein Problem. Man möchte ja weltoffen sein, andere Kulturen in sich aufnehmen – gerade als Auswärtiges Amt mit vielen Kontakten in andere Länder.

Anscheinend ist Weltoffenheit aber keine Eigenschaft mehr, die jeder besitzen kann. Denn der Artikel kritisiert, das AA sei zu „pale and male“, also zu blass und zu männlich. Und das soll jetzt mit „woker Geisteshaltung“ und natürlich mit Quoten bekämpft werden. 

Der Unterschied zwischen "woke" und wahrem Erwachen

MeinungDer Unterschied zwischen „woke“ und wahrem Erwachen

Dazu sollen künftig Menschen mit Migrationshintergrund, Ostdeutsche und Frauen eingestellt werden. Denn Frauen, Ausländer und Zonis – alles dasselbe.

Auch von „critical whiteness“ und weißen Privilegien ist die Rede. Wenn das noch Schmidt, Genscher und Brandt hören könnten. 

Aber gab es so etwas nicht schon einmal? Ja, doch! 2015 gab es bereits einen Versuch namens „Weltweit wir: Für mehr Diversität im Auswärtigen Dienst“. Sawsan Chebli war noch Pressesprecherin und politische Hoffnung der SPD. Lange ist es her.

Der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier rief 200 junge und diverse Menschen zu sich, um über die „Zukunft des Auswärtigen Amtes“ zu sprechen. 

Damals schon hielt Staatssekretär Stephan Steinlein eine aufmunternde Rede an alle mit Migrationshintergrund (Zonis waren damals noch nicht marginalisiert genug): Das Auswärtige Amt sei kein biodeutscher „closed shop“ für alte Eliten.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen sieht Redefreiheit in Gefahr

Umfrage: Mehrheit der Deutschen sieht Redefreiheit in Gefahr

„Es gibt keine gläsernen Decken. Für die berufliche Entwicklung im Auswärtigen Amt ist die Leistung entscheidend, Teamfähigkeit und Kreativität. Hier schaut niemand nach Familiennamen, Herkunft oder Äußerlichkeiten.“

Freilich, von einer Quote war noch nicht die Rede. Man suche weiterhin „the best and brightest“.

„Es geht nicht darum, Vorzugsbedingungen für bestimmte Gruppen zu schaffen. Wir versuchen, die Besten für uns zu gewinnen.“

„Es ist und bleibt ein schwieriges Auswahlverfahren und die Bewerberzahlen sind hoch. Aber jeder hat eine faire Chance.“

Viel gebracht hat es nicht, wenn man heute immer noch als zu weiß und zu blass gilt. Im Jahr 2015 hatte man noch die völlig naive Vorstellung, Chancengleichheit sei ausreichend für eine faire und freie Gesellschaft. Das ist leider passé, die neue Generation der Empörten will sich nicht beweisen, man möge ihr doch bitte alles gleich auf dem Silbertablett darreichen, wegen der Unterdrückung und so.

Als weißer und blasser Mann müsste eigentlich Heiko Maas als erster sofort den Hut nehmen. Um es mit der Titanic zu sagen: „Warum nicht mal ein Neger?“

Kommt Chebli vielleicht doch wieder? Oh Gott!

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

NRW-Innenminister Reul verliert vor Gericht gegen „Junge Freiheit“

Für NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) gelten Polizeibeamte, die im Dienst die „Junge Freiheit“ lesen, schon als rechtsextrem. Jetzt erhielt er vor Gericht eine herbe Klatsche gegen die konservative Wochenzeitung.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) darf künftig nicht mehr behaupten, die Lektüre der konservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ könne als Warnsignal für eine rechtsextreme Gesinnung gewertet werden. Bei Zuwiderhandlung droht ein Ordnungsgeld in Höhe von 10.000 Euro. Das hat das Verwaltungsgericht in Düsseldorf in einem nun veröffentlichen Urteil Ende Mai entschieden.

Gleichzeitig verpflichtete das Gericht Reul, innerhalb von vier Wochen, nachdem das Urteil rechtskräftig ist, die Extremismusbeauftragten der Polizeibehörden des Landes Nordrhein-Westfalen darüber in Kenntnis zu setzen, dass er seine Aussage bezüglich der JF nicht aufrecht hält. Die Kosten des Verfahrens trägt zu 90 Prozent das Land NRW. Die Entscheidung stärkt auch die Pressefreiheit in Deutschland, denn die Richter beurteilten Reuls Äußerungen als „Eingriff in den Schutzbereich der grundrechtlich verbürgten Pressefreiheit“ der JF.

Hintergrund sind mehrere Aussagen Reuls aus dem vergangenen Jahr im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Polizisten wegen rechtsextremer Tendenzen. Einer der Beschuldigten soll bereits vor zehn Jahren eine interne „Ansprache“ erhalten haben, weil er die JF im Dienst gelesen hatte.

„Warnsignale“

Laut einem Bericht der Welt sagte Reul im Innenausschuß des nordrhein-westfälischen Landtags hierzu, es sei „nicht nachvollziehbar, daß über sehr, sehr viele Jahre hinweg Anzeichen für die rechtsextreme Gesinnung eines Verwaltungsangestellten unserer Polizei vorhanden waren und diese auch den diversen Vorgesetzten und Kollegen bekannt waren. Trotzdem wurde nicht konsequent eingeschritten.“

Als Konsequenz aus den Ermittlungen wies das Innenministerium die Polizeibehörden unter anderem dazu an, zentrale Extremismusbeauftragte zu benennen. Ende Mai 2020 fand die Auftaktveranstaltung zur Einführung dieser rund 50 Extremismusbeauftragten statt. Auch Pressevertreter waren hierzu gekommen. In seiner Rede sagte Reul laut Redemanuskript:

„Als ich von den Festnahmen erfahren habe und mir auch mitgeteilt wurde, daß ein Verwaltungsbeamter der Polizei unter den Tatverdächtigen ist, wollte ich natürlich wissen, ob es hier bereits im Vorfeld Anzeichen gegeben haben konnte, die auf eine derartige Gesinnung hindeuten könnten. Und wenn ja: wieso hat solange niemand etwas mitbekommen? Bei der Prüfung dieser Frage ist mir aufgefallen, daß ich nicht verstehen kann und will: Daß Warnsignalen, die es gab, nicht nachgegangen und diese auch lange Zeit nicht ernsthaft genug gewürdigt wurden. (…) Es ging schon vor rund zehn Jahren los, als der beschuldigte Verwaltungsbeamte dem Polizeipräsidenten auffiel, weil er im Dienst die JUNGE FREIHEIT gelesen hat.“

„Das ist nicht so ganz normal“

Laut einem Bericht der Welt sagte Reul während der Konferenz zudem noch, es sei zwar „nicht verboten, ‘JF’ zu lesen, aber die ‘JF’ auf dem Tisch zu haben – das ist nicht so ganz normal“.

Gegen diese Behauptungen klagte die JF. Denn Reuls Äußerungen enthielten eine konkrete Warnung, die Zeitung zu lesen, insbesondere für Beamte und Angestellte des öffentlichen Diensts. Sollten Beamte doch zur JF greifen, könnten sie fürchten, mit einem Disziplinarverfahren konfrontiert zu werden. Dies sei nicht nur ein schwerer Eingriff in den ausgeübten Gewerbebetrieb der JF, sondern auch in die Pressefreiheit.

Dieser Argumentation folgten die Richter nun weitgehend und entschieden zu Gunsten der JF. Als Begründung führten sie an, die Aussage sei geeignet, „potentielle Leser davon abzuhalten, die Zeitung zu erwerben und zu lesen. Insbesondere Polizeibeamte, die jeglichen Verdacht auf eine rechtsextreme Gesinnung und die Beobachtung durch Extremismusbeauftragte vermeiden wollen, bleibt letztlich nur der Verzicht auf die Lektu?re.“

Reul darf seine Äußerungen somit nicht mehr wiederholen und muß auch die Extremismusbeauftragten über die Ungültigkeit seiner Aussagen informieren. Eine Revision ließ das Verwaltungsgericht nicht zu. (Quelle: Junge Freiheit)

Allen Lesern einen schönen 17. Juni!

Vorbild für den 17. Juni: Schwarz-Rot-Gold waren die Farben von mehreren tausend Menschen, die sich 1832 auf den Weg zum Hambacher Schloss machten, um dort den alten Traum der deutschen Einheit zu feiern. Freiheit und Souveränität des Volkes waren Ziele, die sich die auf dem Schloss Versammelten auf die Fahne geschrieben hatten.

Von C. JAHN | Wir feiern heute wieder unseren „anderen“, unseren „alternativen“ Nationalfeiertag. Wir hissen Schwarz-Rot-Gold, treffen uns mit patriotischen Freunden und widmen den ein oder anderen Gedanken Begriffen wie „Deutschland“, „Nation“, „Einheit“, „Freiheit“. Aber ist so ein schwarzrotgoldener „Nationalfeiertag“ in einem weitgehend umvolkten Land nicht etwas altmodisch?

Nein! Denn zum einen ist der 17. Juni kein schlichter Patriotentag, an dem wir uns irgendwie an unserem Deutschsein ergötzen wollen. Vorsicht vor einem solch simplen Verständnis des 17. Juni! Die Botschaft des 17. Juni war schon immer eine sehr vielschichtige Verbindung zwischen dem Gedanken einer nationalen Gemeinschaft – der Idee der nationalen Einheit – und dem leidenschaftlichen Willen zur Freiheit. Die Farben des 17. Juni sind Schwarz-Rot-Gold, nicht Schwarz-Weiß-Rot. Der 17. Juni ist kein Sedan-Tag, er ist kein Führergeburtstag, er ist auch kein verstaubter Bürokratenfeiertag wie der 3. Oktober. Der 17. Juni verbindet die Gedanken der „Nation“, der „Einheit“ und der „Freiheit“ immer gleichermaßen.

Deshalb ist der 17. Juni auch kein Tag der Deutschtümelei, um diesen Tag mit einem solchen Schlagwort einmal von jeglicher altbackener, in sich gekehrter Nationalromantik abzugrenzen. Der 17. Juni ist nicht romantisch, er ist kein Tag für altdeutsche Biedermeier, er ist auch alles andere als bürgerspießig. Der 17. Juni verlangt schwarzrotgoldene Leidenschaft, für Nation, Einheit und Freiheit zugleich, und er verlangt sie von unten nach oben: Sein Symbolbild ist nicht der Kaiser im Siegerkranz, sondern der Straßenkämpfer mit dem Stein in der Faust.

Genau aus diesem Grund ist der 17. Juni auch im heutigen stark umgevolkten Deutschland so zeitlos wichtig. Der 17. Juni vermittelt eine klare nationale Botschaft, aber er ist nicht nationalistisch überheblich oder gar „völkisch“ im Sinne einer allein auf Blutsverwandtschaft beruhenden Nationalgemeinschaft. Der 17. Juni ist vielmehr eine Einladung an alle, die sich im eigenen Herzen von Schwarz-Rot-Gold angesprochen fühlen, weil sie sich als Teil einer deutschen Nation verstehen möchten und als solche den Wunsch haben, in einer verbindenden Einheit mit allen anderen Deutschen – ob indigen oder eingebürgert – in geistiger und politischer Freiheit zu leben.

Und er ist im umvolkten Deutschland zugleich deshalb so wichtig, weil er eben auch eine Mahnung und Warnung an all diejenigen vermittelt, die diese unsere deutsche Nation, unsere Einheit und Freiheit zerstören möchten – und zwar ebenfalls ganz unabhängig von deren nationaler Herkunft.

In diesem Sinne: Feiern wir heute den 17. Juni! Freuen wir uns über unsere Zugehörigkeit zur deutschen Nation, feiern wir unseren Willen zu Einheit und Freiheit! Feiern wir unser Schwarz-Rot-Gold!

Allen PI-NEWS-Lesern einen schönen 17. Juni!

pinews

Der 17. Juni – unser „anderer“ Nationalfeiertag

Der 17. Juni ist eine klare Ansage an alle, die die nationale Einheit der Deutschen bedrohen und ihre Freiheit antasten.
Der 17. Juni ist eine klare Ansage an alle, die die nationale Einheit der Deutschen bedrohen und ihre Freiheit antasten.

Von GEORG S. | An diesem Donnerstag feiern wir wieder den 17. Juni, unseren „anderen“ Nationalfeiertag im doppelten Wortsinn: als „alternativen“ und „zweiten“ Nationalfeiertag. Oder gibt es nur „einen“ Nationalfeiertag, darf es bei einem Nationalfeiertag keine „Alternative“ geben?

Der 17. Juni als einstiger Nationalfeiertag Westdeutschlands war als solcher immer ein Tag der Einheit für alle Deutschen, ob in West oder Ost: Vom damals einzigen frei gewählten Parlament der Deutschen ausgerufen nach dem Volksaufstand gegen das Regime der SED („Die Linke“), war er immer ein starkes Symbol unserer nationalen Einheit in Freiheit.

Dieses starke Symbol ist er bis heute geblieben. Mit seiner geballten Faust ist der 17. Juni bis heute ein Tag des Zorns von unten, eine Mahnung und Warnung an die Mächtigen. Der 17. Juni ist eine klare Ansage an alle, die die nationale Einheit der Deutschen bedrohen und ihre Freiheit antasten.

Mit dieser klaren Ansage unterscheidet sich der 17. Juni massiv von der Spießigkeit des 3. Oktobers, der an ein langweiliges Staatszeremoniell erinnert, der aber nicht die geringste Verankerung im Bewusstsein der Deutschen hat. Der 3. Oktober war von Anfang eine Totgeburt: tot geboren und tot geblieben. Aber die Wut und der Zorn des 17. Juni sind in Deutschland heute wieder lebendiger denn je.

Es spielt deshalb auch keine Rolle, ob der 17. Juni offizieller Nationalfeiertag ist oder nicht. Es spielt genausowenig eine Rolle, wenn uns die Mächtigen erzählen, es gäbe nur einen einzigen Nationalfeiertag in Deutschland, nämlich ihren eigenen. Der 17. Juni ist und bleibt unser „anderer“ Nationalfeiertag: „anders“ im Sinne eines „zweiten“ Nationalfeiertags neben dem offiziellen 3. Oktober und mehr noch im Sinne eines politisch „alternativen“ Nationalfeiertags für alle, denen am 3. Oktober das verlogene Geschwätz unserer staatstragenden Heuchler nur noch auf die Nerven geht. Dann reden diese Typen wieder großspurig von „deutscher Einheit“ und von „Freiheit“, aber in Wirklichkeit hassen sie uns indigene Deutsche wie die Pest und tun alles, damit unsere Freiheit jeden Tag ein bisschen weniger wird.

Deshalb: Flagge zeigen am 17. Juni!

pinews

Jeder Zweite sieht Meinungsfreiheit in Gefahr

Demo von Corona-Skeptikern am 01.08.2020, über dts NachrichtenagenturWeniger als die Hälfte der Deutschen hat laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach für die FAZ noch das Gefühl, in Deutschland könne man seine politische Meinung frei sagen.

Nur 45 Prozent der Befragten äußerten, das treffe zu; das ist der mit Abstand niedrigste Wert, seit das Institut im Jahr 1953 zum ersten Mal danach gefragt hat. 44 Prozent gaben an, es sei besser, vorsichtig zu sein.

Als Themen, bei denen man besonders aufpassen müsse, was man sage, nannten 59 Prozent den Islam, 38 Prozent Vaterlandsliebe und Patriotismus und 19 Prozent die Gleichberechtigung der Frauen.

Am positivsten sehen die Lage der Meinungsfreiheit in Deutschland Sympathisanten von Grünen und von CDU/CSU.

62 Prozent der Grünen- und 53 Prozent der Unionsanhänger glauben, man könne seine Meinung frei sagen. Unter den Anhängern aller anderen im Bundestag vertretenen Parteien überwiegt der Anteil jener, die glauben, man müsse mit Meinungsäußerungen vorsichtig sein.

Unter den SPD-Wählern sind das 46 Prozent, bei denen der Linken 49 und bei denen der FDP 51 Prozent. Am deutlichsten ausgeprägt ist diese Haltung unter AfD-Anhängern, von denen nur zwölf Prozent der Ansicht sind, man könne seine Meinung frei äußern.

Foto: Demo von Corona-Skeptikern am 01.08.2020, über dts Nachrichtenagenturhttps://www.mmnews.de/demo_iframe.htm

Warum die grüne Klimapolitik scheitern wird

Um Wirtschaft, Verkehr, Gebäude und Energiegewinnung
Um Wirtschaft, Verkehr, Gebäude und Energiegewinnung „klimaneutral“ zu machen, müssten zwischen 2015 und 2050 geschätzte 2150 Milliarden Euro in Deutschland aufgewendet werden.

Von WOLFGANG HÜBNER | Das Gerede von „Klimaneutralität“ ist leicht dahingesagt, um das gutgläubige Publikum für dieses Ziel zu begeistern. Doch ausgerechnet die treibende politische Kraft dabei, die Grünen, haben nun das Ergebnis einer von ihnen in Auftrag gegebenen Studie vorliegen, die für große Ernüchterung sorgen muss. Denn um Wirtschaft, Verkehr, Gebäude und Energiegewinnung „klimaneutral“ zu machen, müssten zwischen 2015 und 2050 nicht nur geschätzte 2150 Milliarden Euro in Deutschland aufgewendet werden, sondern es besteht dafür auch ein hoher Bedarf an Arbeitskräften: 2030 schon 439.000, 2035 dann bereits 767.000. Das große Problem: Die deutliche Mehrheit davon muss hochqualifiziert sein.

Laut der nach FAZ-Angaben noch unveröffentlichten Studie wird 40 Prozent des Arbeitskräftebedarfs auf Berufsgruppen entfallen, in denen schon jetzt ein Mangel an Fachkräften, Spezialisten und Experten besteht. Dabei erwarten die Grünen noch einen weit höheren qualifizierten Arbeitskräftebedarf, weil in den Berechnungen der Studie weder die Landwirtschaft, noch Forst- und Abfallwirtschaft berücksichtigt sind. Ungeachtet dieser Probleme schwärmen Grüne wie deren stellvertretender Fraktionsvorsitzender Oliver Krischer vom „Jobmotor Klimaschutz“. Allerdings müssten unverzüglich sowohl im Handwerk als auch an den technischen Hochschulen die Weichen entsprechend gestellt werden: „Sonst haben wir in 15 Jahren einen hohen Bedarf an Fachkräften, aber nicht die entsprechend qualifizierten Leute.“

Und woher sollen die trotz der negativen demografischen Entwicklung hierkommen? Nach Meinung der Grünen durch Berufs- und Branchenwechsel von Arbeitskräften, verbunden mit umfangreichen Qualifizierungsprogrammen. Zudem sollen steigende Erwerbstätigkeit von Frauen und Senioren und  – wie könnte es anders sein – mehr Einwanderung helfen. Abgesehen von der völlig unklaren Finanzierung der billionenteuren „Klimaneutralität“: Eine sowohl schrumpfende, alternde als auch zunehmend beruflich weniger qualifizierfähige Bevölkerung wird nicht in der Lage sein, diesen Kraftakt zu schaffen.

Schon jetzt hat Deutschland immer weniger Ingenieursnachwuchs für Fahrzeug- und Motorentechnik, auch ein Resultat der Klimapropaganda. Geht das so weiter, müssen Verbrennungsmotoren, eine deutsche Weltspezialität, demnächst aus China eingeführt werden. Die FFF-Schulschwänzer aus (bislang) sozial abgesicherten Elternhäusern streben jedenfalls allermeist keine MINT-Studiengänge an, sondern irgendwas mit Medien oder Gendern. Doch immerhin schön, dass die Grünen eine Studie bezahlen müssen, die ihre Pläne als völlig unrealistisch entlarvt.


Hübner auf der Buch-
messe 2017 in Frankfurt.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) legte zum Ende des Oktobers 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Der leidenschaftliche Radfahrer ist über seine Facebook-Seite erreichbar.

Abgenutzt – Der Traum von einer besseren, weil grünen, Welt

Von Peter Helmes

Bundesparteitag der Grünen: „Deutschland. Alles ist drin“

Annalena Baerbock und Robert Habeck sind auf dem Parteitag mit 98,5 Prozent als Spitzenduo bestätigt worden, Baerbock zugleich als Kanzlerkandidatin. Trotzdem war sie nervös und wenig souverän. Am 2. Tag des Parteitages war sie fast nicht aufzufinden, sie hielt sich zurück und überließ lieber Habeck das Mikrophon. Es wirkte, als ob sich die Kanzlerkandidatin verstecken wollte.

Tags davor, am ersten Parteitagstag, hielt sie eine lange Rede, die aber – entgegen den Erwartungen ihrer Freunde – kein Glanzstück und schon gar kein Höhepunkt war. Die Fehler der vergangenen Wochen räumte sie zwar mit den ersten Worten ab, aber sie klangen wie eine Pflichtübung.

Man merkte Annalena Baerbock in jeder Phase an, daß sie schwer an ihrer verpatzten Führungsrolle und den sie dann begleitenden Fehlern zu knabbern hatte – womit allzu deutlich wurde, daß der Vertrauensvorschuß nach ihrer Kür Ende April durch eigene Fehler vorzeitig aufgebraucht war.

Dieses Vertrauen genoß jedoch sichtlich die zweite Führungsfigur hinter Baerbock: Robert Habeck. Er griff immer wieder in die Debatten ein, riß auch schon mal das Debattensteuer rum, ermahnte die Zuhörer, er flehte, er beschwor sie – kurz, er spielte meisterhaft auf dem Klavier eines fesselnden Debattenführers und wurde damit zur Leitfigur des Parteitages. Er gab den Delegierten eine umfassende Perspektive von einer besseren, weil grünen, Welt – zumindest nährte er die Hoffnung darauf. Man konnte es fast greifen: Ihm nahmen die Parteifreunde den Ruf nach einem grundsätzlichen Politikwechsel gerne ab, weil er eine plausible Begründung dazu lieferte – vielleicht ein wenig philosophisch überlastet zwar (Kernpunkt: „Freiheit“), aber eingängig.

So waren die 98,5 Prozent Zustimmung der Delegierten zum Spitzenduo Baerbock/Habeck letztlich keine Überraschung, zumal Gentleman Habeck stets darauf achtete, Baerbock nicht in den Schatten zu drängen. (Gar mancher wird aber wohl mit dem Gedanken gespielt haben…)

Die Partei folgte in kritischen Punkten dem Kurs ihrer Spitze. Und der lautet, seit Baerbock und Habeck 2018 Vorsitzende geworden sind: Bloß nicht zu viel Radikalität, sonst kann man im Zweifel gar nichts ändern, weil einen niemand mehr wählt. „Veränderung“, sagte Habeck in seiner Rede am Freitag, „ist nur möglich mit der Mehrheit der Menschen in Deutschland.“

Erstes Fazit: Die Partei steht hinter ihrer Spitze

Die legendäre Streitlust der Grünen scheint vergessen. Die schiere Masse von fast 3.300 Änderungsanträgen ist nämlich kein Indiz für Kritik oder Unzufriedenheit. Gerade mal ein paar Dutzend davon schafften es in die offene Abstimmung, und schon am Samstag Abend, nach den ersten Entscheidungen zur Umweltpolitik, war klar: Diejenigen, die den Entwurf schärfen und deutlich zuspitzen wollen, sind klar unterlegen. Der CO2-Preis bleibt da, wo Annalena Baerbock und Robert Habeck ihn haben wollen, das Ende der Neuzulassungen für Verbrenner wird nicht vorgezogen, das Tempolimit von 130 auf Autobahnen ist inzwischen Konsens und die Forderung von Tempo 70 auf Landstraßen vom Tisch.

Die Mindestlohnforderung bleibt bei 12 Euro, nicht 13.

Das z. B. steht im Wahlprogramm der Grünen*): 

Unter dem Motto „Deutschland. Alles ist drin“ hat der Bundesparteitag der Grünen am Sonntag das Programm zur Bundestagswahl am 26. September beschlossen. Der im März von der Parteispitze vorgelegte Entwurf wurde zwar in zahllosen Formulierungen verändert, aber nicht in den Kernaussagen. Neu hinzugekommen sind etwa das milliardenteure Versprechen, die Hartz-IV-Zahlungen um 50 Euro zu erhöhen, die Ablehnung der Beschaffung bewaffnungsfähiger Drohnen für die Bundeswehr und konkrete Ausbauziele für Wind- und Solarkraft. Es werden nun binnen vier Jahren 1,5 Millionen neue Solardächer angestrebt statt bisher eine Million. Bei den Steuern sollen kleine und mittlere Einkommen ent- und Top-Verdiener belastet werden.

Klima und Energie

Klimaschutz soll im Mittelpunkt der Regierungspolitik stehen. Eine „sozial-ökologische Marktwirtschaft“ soll „klimagerechten Wohlstand“ ermöglichen. Die Erderwärmung soll begrenzt werden. „Jedes Zehntelgrad zählt, um das Überschreiten von relevanten Kipppunkten im Klimasystem zu verhindern. Es ist daher notwendig, auf den 1,5-Grad-Pfad zu kommen.“ Geplant ist ein Klimaschutz-Sofortprogramm. Das Klimaziel soll angehoben werden: 70 Prozent weniger Treibhausgase im Jahr 2030 als 1990. Derzeit liegt das von der Bundesregierung nachgebesserte Ziel bei 65 Prozent. „Unser Ziel ist es, 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2035 zu erreichen.“

Der im Januar eingeführte CO2-Preis für Verkehr und Wärme soll 2023 bereits 60 Euro (derzeit 25 Euro) pro Tonne betragen. Die Einnahmen fließen über ein einheitliches Energiegeld an die Bürger zurück – „damit Klimaschutz sozial gerecht ist“. An der Senkung des Strompreis-Aufschlages zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG-Umlage) seit Jahresanfang wird festgehalten.

Die Grünen wollen sich „dafür einsetzen“, daß der Kohleausstieg 2030 statt 2038 vollendet wird. Angekündigt wird eine „Ausbauoffensive“ für Erneuerbare Energien, verbunden mit Zielen wie 1,5 Millionen neuen Solardächern binnen vier Jahren und einem Investitionsprogramm für zwei Millionen Wärmepumpen bis 2025. „Unser Ziel ist ab sofort ein jährlicher Zubau von mindestens 5 bis 6 Gigawatt (GW) Wind an Land, ab Mitte der 20er Jahre von 7 bis 8 GW, bei Wind auf See wollen wir 35 GW bis 2035. Bei Solar werden wir den Ausbau von beginnend 10 bis 12 GW auf 18 bis 20 GW pro Jahr steigern ab Mitte der 2020er.“

Neue Hafenterminals für Flüssigerdgas sollen nicht mehr genehmigt werden. „Neue Erdgas-Pipelines wie Nord Stream 2 (…) konterkarieren die Energiewende und sollten gestoppt werden.“

Verkehr

Das Aus bei der Neuzulassung für Verbrennerautos ab 2030 wird schärfer gefaßt, zudem soll es bis dahin mindestens 15 Millionen E-Fahrzeuge geben. „Ab 2030 dürfen (…) nur noch emissionsfreie Autos neu zugelassen werden.“ Dazu sollen europäische CO2-Flottengrenzwerte und eine ansteigende nationale Quote beitragen. Der Kauf emissionsfreier Autos soll gefördert werden. „Um zum Beispiel Pendler*innen mit niedrigen Einkommen bei der Anpassung zu unterstützen, legen wir einen Klimabonus-Fonds auf, der mit großzügigen Hilfen unterstützt, etwa beim Umstieg auf Bus und Bahn oder ein emissionsfreies Fahrzeug.“

Auf Autobahnen soll ein „Sicherheitstempo“ von 130 Stundenkilometern gelten, innerorts soll Tempo 30 die Regel sein statt 50. „Kurzstreckenflüge wollen wir ab sofort Zug um Zug verringern und bis 2030 überflüssig machen, indem wir massiv Bahnangebote (…) ausweiten.“

Immer deutlicher wird, was bei einer Machtübernahme durch die Grünen zu erwarten ist. So gehören zu den Ideen ein möglichst baldiges Aus für Inlandsflüge und höhere Benzinpreise.

Aber die deutsche Klimadebatte wird vor allem von gut ausgebildeten Großstädtern geführt, die kein sonderliches Verständnis dafür haben, daß ein Leben auf dem Land anders verläuft und andere Anforderungen stellt.

Außerhalb der Städte ist man besonders empfindlich, wenn grüne Steuern und Abgaben zu einer neuen Ungleichheit führen. Beim Parteitag am Wochenende hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß man doch lieber die Realo-Führung unterstützt. Aber man merkt, wie das Unbehagen über den schwierigen politischen Spagat wächst. Diese Debatte dürfte noch lange nicht zu einem Ende kommen.

Investitionen

Die Grünen wollen die Schuldenbremse im Grundgesetz umbauen, um über Kredite zusätzliche jährliche Investitionen von 50 Milliarden Euro zu finanzieren – in schnelles Internet, Spitzenforschung, klimaneutrale Infrastrukturen, Ladesäulen, Ausbau der Bahn, emissionsfreie Busse, moderne Stadtentwicklung. Derzeit investiert der Bund jedes Jahr etwas über 40 Milliarden Euro. Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung soll Planungen und Investitionen beschleunigen: „Ziel ist, alle Planungszeiten zu halbieren.“ Die Schuldenbremse soll „zeitgemäß“ gestaltet werden, um dringende Investitionen zu ermöglichen.

Steuern

Um kleine und mittlere Einkommen zu entlasten, soll der Grundfreibetrag der Einkommensteuer erhöht werden. Zur Finanzierung steigt der Spitzensteuersatz für hohe Einkommen in zwei Stufen um drei und um sechs Prozentpunkte: Ab einem Einkommen von 100.000 Euro für Alleinstehende (200.000 Euro für Paare) läge der Spitzensteuersatz bei 45 Prozent und ab einem Einkommen von 250.000 (500.000) Euro bei 48 Prozent. Die Abgeltungsteuer für Kapitalerträge wird abgeschafft, diese würden wieder der progressiven Einkommensteuer unterworfen.

Für Vermögen oberhalb von zwei Millionen Euro pro Person soll eine Vermögensteuer von jährlich einem Prozent gelten. Die Vermögensteuer steht den Ländern zu, die die Einnahmen nach Grünen-Vorstellungen für Bildung ausgeben sollen. Mehreinnahmen in Milliardenhöhe erhoffen sich die Grünen durch konsequente Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Mutmaßlich klimaschädliche Subventionen etwa für Diesel oder schwere Dienstwagen sollen reduziert werden. „In einem ersten Schritt können wir so über 15 Milliarden Euro jährlich einnehmen.“

Mietendeckel, Mindestlohn, Hartz IV und Rente

Ein Bundesgesetz soll gewährleisten, „daß Mietobergrenzen im Bestand ermöglicht werden und die Mietpreisbremse entfristet und deutlich nachgeschärft wird“. Der Begriff Mietendeckel taucht nicht auf. Reguläre Mieterhöhungen sollen bei 2,5 Prozent im Jahr innerhalb des Mietspiegels begrenzt werden. Mietspiegel sollen Zeiträume von 20 Jahren umfassen.

„Den gesetzlichen Mindestlohn werden wir sofort auf zwölf Euro anheben“, kündigen die Grünen an. Weitere Erhöhungen sollten „mindestens der Entwicklung der Tariflöhne entsprechen“. Hartz IV wird durch eine „Garantiesicherung“ ersetzt: „In einem ersten Schritt werden wir den Regelsatz um mindestens 50 Euro und damit spürbar anheben.“ Eine Kindergrundsicherung soll Kindergeld, Kinderzuschlag und Grundsicherung bündeln.

Die Sicherung des Rentenniveaus „bei mindestens 48 Prozent hat für uns hohe Priorität“. Bei Bedarf sollen Steuerzuschüsse erhöht werden. Die staatlich geförderte private Altersvorsorge nach dem Modell der Riester-Rente soll durch einen „öffentlich verwalteten Bürgerfonds“ ersetzt werden. Bei Gesundheit und Pflege „ist eine solidarisch finanzierte Bürgerversicherung“ das Ziel, in die auch Beamte, Selbstständige und Unternehmer einzahlen. Dafür sollen auch auf Kapitaleinkommen Beiträge zur Sozialversicherung erhoben werden.

Verteidigungspolitik

Bei der Beschaffung bewaffneter Drohnen zum Schutz von Bundeswehr-Soldaten in Einsatzgebieten positionieren sich die Grünen neu. In einer sehr knappen Abstimmung lehnten sie diese nicht mehr kategorisch ab. Es müsse „klargemacht werden, für welche Einsatzszenarien der Bundeswehr die bewaffneten Drohnen überhaupt eingesetzt werden sollen, bevor über diese Beschaffung entschieden werden kann“.

Das Nato-Ziel, zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben, lehnen die Grünen hingegen unverändert ab.

(Quelle/Original: https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/bundestagswahl/id_90213376/bundestagswahl-2021-das-steht-im-wahlprogramm-der-gruenen.html)

Auf dem Parteitag wird immer wieder deutlich, daß die Grünen endlich wieder an die Macht wollen. Allzu radikale Projekte stören da nur. Das mag dem linken Parteiflügel nicht gefallen, doch Habeck und Baerbock sprechen es offen aus: Sie schauen auf die Mitte, da wo Mehrheiten gewonnen werden können. Nach der Kandidatenkür Ende April waren die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wahlkampf der Grünen glänzend. Das ist vorbei, aber wenn die Partei und ihre Spitzenkandidatin jetzt wieder Tritt fassen, sind die Voraussetzungen immer noch gut. Neue Fehler sollten aber jetzt besser nicht mehr dazukommen!

Der Parteivorstand setzte sich in überraschend vielen Programmpunkten durch – wenn auch nicht mit einem Sieg auf ganzer Linie. Und die Programmdebatte hatte gezeigt, daß die Parteitagsdelegierten mit großer Geschlossenheit den Realo-Kurs ihrer beiden Führungsleute mittragen.

Daß jedoch jeweils zwischen einem Drittel und einem Sechstel der Delegierten für die radikaleren Anträge stimmte, sollte der Parteiführung dennoch zu denken geben. Es ist ein Hinweis darauf, welche Debatten ihr bevorstehen, wenn sie tatsächlich eines Tages mitregieren sollte. Allerdings, der von manchen erwartete „Aufstand der Basis“ blieb aus. Die Reihen blieben fest geschlossen.

www.conservo.wordpress.com 14.06.2021

Der Verdachtsfall am Schreibtisch

Neben dem Institut für Staatspolitik ist nun auch der Verlag Antaios von Götz Kubitschek und seiner Frau Ellen Kositza ein sogenannter Verdachtsfall.

Von GÖTZ KUBITSCHEK | Morgen, so Gott will und die Alliierten nichts dagegen haben, kommt endlich mein neues Buch aus der Druckerei. Es heißt „Hin und wieder zurück“ und eines der Kapitel enthält Texte in chronologischer Folge über einen Vorgang, der mit den heutigen Nachrichten zu einem Abschluß gekommen ist: Neben dem Institut für Staatspolitik ist nun auch der Verlag Antaios für das Bundesamt für Verfassungsschutz ein sogenannter Verdachtsfall.

Das erwähnte Kapitel heißt „Unter Verdacht“, die Texte darin beschreiben das Ineinandergreifen von willkürlicher Begriffsumdeutung, medialer Jagd, strategischem Mißverstehen, Kriminalisierungswunsch und Amtshandlung. Am Ende steht man als „Verdachtsfall“ da und kann selbst in den allerehrlichsten Stunden, im Gespräch mit den verwunderten, ein wenig erstaunt nachfragenden Kindern zum Beispiel, nicht erklären, wie es dazu kommen konnte.

Also: Man kann es eigentlich schon, aber dieses Erklären wird dann zu einem Exkurs über die Deutungsmacht, die eigentliche Rolle der Presse, die eigentliche Rolle von Gerichten, die eigentliche Rolle des Verfassungsschutzes und die eigentliche Rolle eines Staates, die er dann ausüben kann, wenn er nicht zur Beute von Parteien und zivilgesellschaftlichen Lobbygruppen geworden ist – abendfüllende Gespräche.

Bloß: Man spricht über einen hoffnungslosen Fall, über einen Patienten, der sich an so viele Pillen und Schläuche, Scharlatane und Sterbehelfer gewöhnt hat, daß man ihn aufgeben muß. Die Quadratur des Kreises ist selbst im verständnisbereitesten Zuhörerkreis nicht mehr zu leisten: wieso noch die Idee von etwas (vom Staat, von der Verfassung, vom Verfassungsgericht, von Bemessungskriterien) gegen seine derzeitige Konkretion verteidigen?

Eigentlich kann man das nur noch theoretisch: Der politisch-mediale Komplex spielt jetzt seinen Grand Ouvert runter. Das hat Vorteile: Man kann aufstehen und gehen und zuvor noch kurz die Karten auf den Tisch legen – es ist egal, in welcher Reihenfolge die Gegner sie wegstechen, das ist nicht mehr unser, nicht mehr mein Spiel.

Der Verdachtsfall – weg vom Spieltisch, wieder am Schreibtisch. Mails prasseln herein, „nicht aufgeben“ oder „kann ich nicht fassen“, aber, das schönste: Mails vom Setzer, der einfach weitersetzt, vom Autor, der den Streit um eine Idee einfach fortschreibt, ohne mit einer Silbe zu erwähnen, ob er das, was nun durch den Blätterwald rauscht, überhaupt mitbekommen hat. Das sind mir die liebsten: diejenigen, die sich wegen einer Pipipfützen nicht vom Arbeiten abhalten lassen.

Auf meinem Schreibtisch liegen:

  •  Satzbögen einer neuen, sehr bibliophilen Reihe, die es in 451 nummerierten Exemplaren geben wird. Diese Reihe wird ausschließlich über Antaios vertrieben werden, die Bücher werden ohne ISBN erscheinen, werden nicht ausliegen, werden über amazon und VLB nicht auffindbar sein. Solche Sachen zu machen – die Freiheit des Verlegers, des Selbständigen, der in kein Fördernetzwerk eingebunden ist, keine Opferknete vom Staat bezieht, seine Identität nicht herbeischmarotzen muß, sondern mit denkbar großer Freude die Form, das Fertige, das Gelungene, das Festgehaltene miterstellt und genießt;
  • Verträge zu neuen Büchern für unsere Theorie-Reihe: der Weltstaat wird Thema sein, rechte Strategie in Zeiten der Übermacht des Feindes, vielleicht auch etwas über den „Abschied von Deutschland“, eine haarsträubende Bestandsaufnahme also;
  • die drei neuen Bändchen der kaplaken-Reihe, die vor zwei Wochen erschienen sind. Bei zweien müssen wir fast schon die 2. Auflage vorbereiten, und unsere Vertriebsleiterin hat nachdrücklich darum gebeten, ich solle endlich die sogenannten „Waschzettel“ zu Ende formulieren. Das sind Buchinformationen, die an mögliche Rezensenten ausgesendet werden. Bloß denke ich diesmal noch deutlicher als sonst: Wozu? Kommt es darauf an, daß irgendeiner, der seine Brötchen öffentlich-rechtlich oder sonst irgendwo weit entfernt von uns verdient, seinen Senf dazugibt?
  • Zwei Päckchen Stangenbohnen, die heute oder morgen noch in den Boden sollen. Überhaupt ist der Garten eine Pracht, nach drei trockenen Jahren „atmet die Schöpfung auf“, wie es in einem großen Hymnus heißt. Gärtnern ist wie Verlegen: Sorgfalt, Platzwahl, der richtige Zeitpunkt, Ausjäten – und manchmal latscht eine Ziege durch den Salat.
Christian Fuchs (ZEIT).
Christian Fuchs (ZEIT).

Immer lieber eine Ziege als ein Fuchs. Es ist wieder Christian Fuchs von der ZEIT, der die Tagesmeldung vom Verdachtsfall Antaios abfeiert wie ein schwammiger Fettsack eine neue Netflix-Staffel. Es ist von großem Unterhaltungswert, ihm dabei zuzusehen, wie er sich aus dem Sessel hochzustemmen versucht, um seinen Anteil am Geschehen herauszustreichen. Sonst kann er ja nix.

Er ist eine Systemschranze, er würde unter jedem System, Regime, Gesetz in ähnlicher Position landen: als Meinungsfunktionär, ausgestattet mit der Witterung fürs angesagte Wort und mit jenem Quentchen Ehrgeiz, das reicht, um beim Wiederkäuen einen eigenen Zungenschlag hörbar zu machen. Er ist derjenige, der nachtritt und sich immer damit herausreden wird, daß er doch bloß im Auftrag handelte. Hannah Arendt hat diesen Typ beschrieben, und Gott!, bin ich froh, daß ich von völlig anderen Männern umgeben bin!

Fuchs zündelt wieder, andere machen mit. War schon immer nicht anders. Der Verdachtsfall am Schreibtisch: Er korrigiert jetzt noch ein paar Manuskriptseiten, dann geht er Bohnen stecken.


(Im Original am 15. Juni auf sezession.de erschienen)

pinews